Der erster Monat

Nun bin ich schon fast einen Monat in Malawi und habe bereits einige Erlebnisse und Erfahrungen sammeln dürfen. Mit Freunden aus dem Gästehaus besuchte ich eine traditionelle, spirituelle Heilerin in einem kleinen Dorf nahe des Nkhoma Krankenhauses und erfuhr von ihren Heilmethoden. Eine Stimme, laut ihr handelt es sich dabei eindeutig um Jesus, übermittelt ihr welche Pflanzen sie sammeln und in welcher Form und Kombination sie diese ihren Patienten verabreichen soll. Die Ärzte des Nkhoma Hospitals halten von ihrem Vorgehen recht wenig, weil viele Malawier bei Beschwerden zuerst die Heilerin aufsuchen und sich oft viel zu spät von einem ausgebildeten Arzt untersuchen und behandeln lassen.

Maria, die malawische spirituelle Heilerin

Maria, die malawische, spirituelle Heilerin

Jeden Mittwoch und Sonntag findet in Nkhoma ein auf Englisch und/ oder Chichewa gehaltener Gottesdienst statt, an dem nahezu das gesamte Krankenhauspersonal teilnimmt. Dabei werden enthusiastische Predigen gehalten, viel gesungen und getanzt. Traditionelle Tänze wurden auch auf einer abendlichen Veranstaltung in Blantyre von Gefängnisinsassen im Rahmen eines Rehabilitationsprogrammes aufgeführt und von Trommelmusik begleitet. Sie zeigten dabei Tanzstiele aus den verschiedenen in Malawi lebenden ethnischen Gruppen und brachten auch uns Mzungus („Weiße“ auf Chichewa) zum Mitmachen.

Am Tag darauf starteten wir unsere Wanderung auf den Mulanje, der mit einer Höhe von 3100 m den höchsten Berg Malawis bildet. Der Weg zu dessen Spitze war anstrengend und kräftezehrend aber hat sich für die atemberaubende Aussicht mehr als gelohnt. Davon angetrieben, wanderte ich letztes Wochenende mit einer anderen Gruppe auf den wesentlich kleineren Nkhoma Mountain, übernachtete dort und bestaunte am nächsten Morgen den Sonnenaufgang.

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Mount Mulanje

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Nkhoma Mountain

Sonntagabend wurde ich von meinem Arbeitskollegen Christopher zu sich und seiner Familie eingeladen und lernte typische malawische Gerichte zu kochen. Dazu zählt das aus Maismehl hergestellte Leibgericht fast aller Malawier Nsima, der Fisch Chambo aus dem Malawi See und Gemüse wie Okra und Kürbisblätter. Wir aßen wie hier üblich mit den Händen und saßen auf dem Boden. Auch ich möchte ihnen als Gegenzug schon bald einen Einblick in die deutsche Küche gewähren.

Die Arbeit an der Tankstelle geht langsam voran, da wir auf Rückmeldungen und grünes Licht von der Verwaltungsleitung angewiesen sind. Wir werteten bereits die von unseren Kunden beantworteten Feedbackbögen aus und konnten einige Verbesserungsmaßnahmen theoretisch verfassen aber leider praktisch noch nicht umsetzen. Zudem wurde eine Ölbestellung nicht rechtzeitig aufgegeben, sodass wir heute zum zweiten Tag kein Benzin verkaufen konnten und warten noch immer auf einen Generator, der uns einen Verkauf bei während den hier häufig vorkommenden Stromausfällen ermöglicht. Trotz alledem kann ich hier relativ frei hantieren und habe Freude an der Zusammenarbeit mit dem Personal des Nkhoma Hospitals und vor allem mit dem der Tankstelle.

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Meine Arbeit in Nkhoma

Am 8. Mai hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Als Studentin des Studienganges Dienstleistungsmanagement für Non-Profit-Organisationen an der DHBW werde ich in dem halben Jahr meines Aufenthaltes in der Verwaltung des Nkhoma Krankenhauses tätig sein. Pünktlich um 8 Uhr fand ich mich also vor dem Büro der Verwaltungsleitung Brenda vor, die allerdings, wie ich nach einer halben Stunde erfuhr, heute nicht zur Arbeit kommen wird. Willkommen in Malawi und damit tschüss zur deutschen strukturierten Arbeitswelt und Pünktlichkeit. Dr. Morton erzählte mir im weiteren Verlauf des Tages von dem Nkhoma Hospital und den vier Bereichen, über die es neben den geringen Einnahmen von Patienten für deren Behandlungen finanziert wird: dem Gästehaus, der Küche, dem Universitätsbereich sowie einer Tankstelle, die erst heute in Betrieb genommen wurde. In den nächsten Monaten soll ich die Tankstelle kennen lernen und mich und meine Kenntnisse verstärkt darin einbringen.
Nachdem der IT-Mitarbeiter James meinen Laptop eingerichtet hat, erstellte Christopher, der Supervisor der Tankstelle mit dem ich in nächster Zeit eng zusammen arbeiten werde, gemeinsam mit mir eine Excel-Tabelle, bei der ich mein EDV-Wissen einfließen lassen konnte. Christopher erklärte mir mit viel Geduld das genaue Vorgehen, da ich noch nie zuvor in einer Tankstelle gearbeitet geschweige denn eine dafür notwendige Tabelle erstellt habe. Der erste Arbeitstag war zwar ziemlich unstrukturiert und unkoordiniert doch trotz allem sind die Menschen hier sehr freundlich und nett. Insbesondere ihre Chitenjes, das sind bunten Tücher in allen möglichen Farben und Mustern die als Röcke und Kleider getragen oder zu Rucksäcken und Babytragetaschen umfunktioniert werden, haben es mir angetan. Nach der Arbeit machte ich einen Abstecher auf dem Markt und brachte einige Brocken der malawischen Sprache Chichewa zustande. Im Gästehaus gibt es die Möglichkeit für 1000 MK, das entspricht 1,23 €, unter der Woche ein gekochtes Abendessen zu bekommen und den Abend bei netten Gesprächen und Karten- oder Brettspielen gemeinsam ausklingen zu lassen.
Christopher und ich lernten uns in der ersten Woche näher kennen und mögen. Wir sprachen viel über kulturelle Unterschiede und seinen Wunsch, in Deutschland Marketing zu studieren. Wir entwickelten einige Marketingmaßnahmen und stellten diese sowie die Excel-Tabelle Brenda, die erst am Mittwoch kam, vor. Glücklicherweise war sie sehr begeistert und so machten wir uns an die Umsetzung unserer Konzepte.
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Aufbruch zu meinem Auslandssemester in Malawi

Am Sonntag den 7. Mai kam ich nach 14 Stunden inklusive Umstieg in Johannesburg endlich in Lilongwe, Malawi an. Vom Flughafen wurde ich von Esther, einer Krankenschwester des Nkhoma Hospitals abgeholt und zum Gästehaus gefahren, wo ich den ersten Monat wohnen werde.

Esther und ich am Flughafen in Lilongwe

Esther und ich am Flughafen in Lilongwe

Dort angekommen nahm mich Heather, die Guesthouse-Mama, in Empfang und führte mich durch das gemütliche und traditionell afrikanisch eingerichtete Gebäude, das von Bäumen und Sträuchern umringt ist. Hier fühlte ich mich von Anfang an wohl. Mein Zimmer teile ich mit drei Niederländerinnen, die eine Ausbildung zur Krankenschwester machen. Bei dem sonntäglichen Nachmittagstee lernte ich die weiteren Bewohner aus Kanada, England und Südafrika kennen. Vor allen Fenstern und über allen Betten sind zum Schutz vor Malaria Moskitonetze gespannt, sodass ich die erste Nacht trotz Surren beruhigt schlafen konnte.

Gästehaus

Das Gästehaus

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Das Nkhoma Hospital bekämpft ein Tabu

Auf dem Rückweg nach Nkhoma ließen wir die Studierenden in Lilongwe zurück. Sie brachen von dort aus zu einem Ausflug in die Berge auf. Am Abend waren Beate und ich zurück in unserem Gästehaus in Nkhoma und gingen früh schlafen, denn wir hatten einen sehr ausgefüllten Tag vor uns. Um 8.00 waren wir zu einem Besuch im College of Nursing and Midwifery angemeldet. Die stellvertretende Leiterin – eine sehr strenge und selbstbewusste junge Frau, die selbst diesen Beruf erlernt hatte – führte uns durch diese beeindruckende Schule, an der 350 Studierende ausgebildet werden. Besonders spannend fand ich die Lehrklinik, in der die Studentinnen und Studenten an lebensgroßen Puppen üben konnten. Einige Studentinnen, die gerade dabei waren, eine schwangere Frauenpuppe zu untersuchen, wurden von unserer Begleiterin zurecht gewiesen, weil sie weder den Unterleib der Frau zugedeckt noch die Vorhänge um das Bett zugezogen hatten, um ihr ein bisschen Privatsphäre zu gewähren. Die Krankenschwestern und –pfleger werden hier sehr praxisnah auf das vorbereitet, was in den Kliniken auf sie zukommt.

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Schwesternschülerinnen bei der Untersuchung einer schwangeren Puppe

Im Nkhoma Hospital trafen wir Dr. Morton, einen US-amerikanischen Arzt, der mehr als sein halbes Berufsleben in Afrika verbracht hat. Mit ihm sprachen wir über Patienten mit psychischen Erkrankungen. Er konnte uns berichten, dass die Zahl der Patienten mit psychischen Problemen im Nkhoma Hospital zurück geht, seit Paul Mekani, der Leiter des vom Difäm unterstützten Mental Health Projektes, und sein siebenköpfiges Team von speziell fortgebildeten Krankenschwestern und -pflegern auch in die Gesundheitszentren der umliegenden Dörfer gehen. sie klären dort über psychische Gesundheit auf und behandeln Patienten vor Ort. Während wir bei Dr. Morton waren, kam ein junger Mann mit seiner kleinen Schwester an. Beide sind Epileptiker und brauchen regelmäßig Medikamente. Sie waren frühmorgens zuhause aufgebrochen und fünf Stunden zu Fuß gegangen, um die für sie unverzichtbaren Medikamente bei Dr. Morton abzuholen. Die beiden hatten keine Schuhe an den Füßen und mussten in der Hitze auch wieder fünf Stunden zurück gehen.

Später berichteten uns Paul und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ihren Begegnungen mit psychisch kranken und belasteten Menschen in den Dörfern und bei Hausbesuchen aber auch von ganz praktischen Problemen, die ihre Arbeit manchmal mit sich bringt. Da war zum Beispiel einer der Krankenpfleger aus Nkhoma, der nicht mehr zur Arbeit kam. In der Klinik verbreitete sich das Gerücht, dass er Selbstmord begehen wollte, also gingen zwei von Paul Mitarbeitern zu ihm nach Hause. Sie redeten lange mit ihm und besuchten ihn immer wieder. Er bekam Medikamente und konnte seine Depression so nach einigen Monaten überwinden. Inzwischen arbeitet er wieder. Über psychische Probleme sprechen die Menschen in Malawi nicht offen. Das musste auch eine junge Frau erfahren, die mehrmals ins Krankenhaus kam und über Schmerzen klagte. Organisch war nichts festzustellen aber sie fühlte sich schlecht. Ein Krankenpfleger aus dem Mental Health Team hatte das Gefühl, es könnte eine psychische Belastung vorliegen und bat sie, ihn in ein kleines Büro zu begleiten. Dort erzählte ihm die Studentin, was sie bedrückte: An der Uni wurde das Gerücht verbreitet, sie sei HIV-positiv. Auch ein negativer HIV-Test konnte das Mobbing nicht beenden. Sie vertraute sich ihren Eltern an, die ihre Sorgen jedoch immer abtaten und sie aufforderten, sich nicht so anzustellen. Es wurde immer schlimmer und sie begann Medikamente zu sammeln, um sich umzubringen. Der Besuch in der Klinik war ein Hilferuf, der dort glücklicherweise richtig gedeutet wurde. Heute hat auch sie dank der Hilfe im Nkhoma Hospital ihre Depression überwunden.

Für Besuche in den lokalen Gesundheitszentren oder bei Patienten zuhause stehen den Mitarbeitenden zwei Motorräder zur Verfügung. Nicht alle haben jedoch einen Führerschein. Im Gespräch stellte sich heraus, dass es problematisch ist, wenn die weiblichen Mitarbeiterinnen sich hinten bei einem Mann aufs Motorrad setzen, mit dem sie nicht verheiratet sind. Die Männer waren außerdem der Meinung, dass die männlichen Mitarbeiter zwar den Führerschein machen könnten, Frauen aber nicht in der Lage seien, Motorradfahren zu lernen, da sie das mit dem Gleichgewicht nicht hinbekommen (?). Das erklärt wohl auch, warum man hier fast ausschließlich Männer Fahrradfahren sieht.

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Paul Mekani (oben rechts) und sein Team von speziell für psychische Erkrankungen geschulten Krankenpflegern und -schwestern

Am Nachmittag besuchten wir zusammen mit Paul und seinem Team eine Selbsthilfegruppe. Wir gingen zu einem großen Baum am Bach. Dort waschen einige junge Männer für ein paar Kwachas die Autos ihrer Kunden. Etwa 25-30 junge Männer zwischen 16 und etwa 30 Jahren hatten sich unter dem Baum versammelt. Sie hängen häufig hier rum, weil es Marihuana und Alkohol gibt. Wir hatten vier Männer mitgebracht, die ihre Alkohol- und Drogensucht durch einen Entzug in einer Klinik in Lilongwe überwunden haben. Einer nach dem anderen erzählten sie, wie es ihnen erging, als ihre Sucht sie immer tiefer ins Elend zog, sie ihren Job verloren, von Ängsten und Alpträumen geplagt wurden und auch körperlich immer mehr abbauten. Sie berichteten, wie ihnen im Nkhoma Hospital geholfen und schließlich der Therapieplatz in Lilongwe organisiert wurde. Zwei der Männer hatten wieder Arbeit gefunden und alle konnten berichten, dass es ihnen jetzt gut geht. Die anderen Männer hatten Softdrinks und Brötchen bekommen und hörten aufmerksam zu. Zum Schluss erklärte Paul ihnen, dass sie sich jederzeit an ihn und seine Mitarbeiter wenden könnten, wenn sie Unterstützung brauchten, um von der Sucht loszukommen. Das heutige Treffen war das vierte dieser Art. Die Treffen gehen immer von den Männern aus, die sich an Paul wenden, wenn sie sich mit ihm und seinen Mitarbeitern treffen wollen. Paul erzählte uns, dass Alkohol und Drogen eine Bedrohung für die Familien sei. Jugendliche tyrannisieren ihre Familien. Ein Junge schlägt seinen Vater, der sich hilfesuchend an Paul wandte, er kann jedoch nichts tun, solange der Junge nicht selbst bereit ist, gegen die Sucht anzukämpfen. Es gibt auch Frauen mit Alkoholproblemen, sie trinken aber eher zuhause und sind damit für das Team sehr schwer zu erreichen.

Nach diesem Tag voller Eindrücke mussten wir am Abend Koffer packen. Während Bernhard, Denisa, Pablo, Rebekka und Simona weitere drei Wochen Famulatur im Nkhoma Hospital vor sich hatten, war für Beate und mich die kurze, intensive und sehr eindrucksvolle Reise leider schon zu Ende. Die Erinnerung an fröhliche Kinder und freundliche, offene Erwachsene aber auch an die Probleme der Menschen dieses kleinen afrikanischen Landes werden uns nach Hause begleiten und in unserer täglichen Arbeit für Gesundheit in der einen Welt motivieren.2016_Malawi_Isabel Reusch (480).JPG

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Auf zu den Toiletten

Morgens holte uns Patrick in unserer Lodge ab. Heute sollten wir nach Malambo, einem kleinen Ort einige Kilometer westlich von Ntchisi fahren. In der Nacht hatte es wieder stark geregnet. Die Straßen – eigentlich eher Pisten – nach Malambo waren durch den Regen in deutlich schlechterem Zustand als bei unserem Ausflug nach Chintembwe aber Patrick brachte uns sicher ans Ziel.DSC_1524

Wir stiegen bei einer Kirche aus, in der die Mitglieder der Dorfkomitees, die das ASSET-Projekt hier mit Leben füllen, auf unseren Besuch und den Austausch mit Beate warteten. Mehr Informationen über den ASSET-Ansatz des Difäm gibt es hier.

Von der Schule neben der Kirche kamen immer mehr Kinder herüber. Anfangs standen sie in einiger Entfernung und beobachteten uns. Langsam kamen sie näher und als dann ein Mädchen einen kleinen Ball auspackte und zu uns herüberwarf, war der Bann gebrochen. Bevor wir schließlich zu den wartenden Dorfkomitees gingen, spielten wir alle eine Weile Ball mit den Kids.

In der Kirche berichteten uns die Komitees von ihrer Arbeit. Sie beschäftigen sich mit verschiedenen Themen, die für die Gemeinde wichtig sind, darunter Hygiene, Jugend oder Ernährung. Die Teammitglieder beraten gemeinsam, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um das Leben und die Gesundheit der Menschen im Dorf zu verbessern. Dass und wie dies funktioniert konnten wir in Malambo sehen: Die Menschen, die wir hier trafen, haben zum Beispiel erkannt, dass sie ihre Ernährung verbessern können, indem sie Obstbäume pflanzen, was gleichzeitig zur Erholung des Baumbestands beiträgt. Die Jugendlichen versuchen, gegen Perspektivlosigkeit und Flucht in den Alkohol vorzugehen, indem sie Freizeitangebote wie zum Beispiel Fußball für Jungen und Mädchen initiieren. Außerdem wurde die Verbesserung der hygienischen Bedingungen als besonders wichtig eingestuft. So wurde vor einiger Zeit beschlossen, dass jede Familie eine Toilette bekommen soll. Beate war heute hier, um Interviews mit den verschiedenen Gruppen durchzuführen und mehr über ihre Arbeit der vergangenen Monate zu erfahren, denn ausschlaggebend für die künftige Förderung des Projektes seitens des Difäm ist die aktive Mitarbeit der Dorfbewohner.

Zusammen mit Bernhard, Denisa, Pablo, Rebekka und Simona von StuDifäm sowie Esther machte ich mich auf den Weg ins Dorf, um die bereits gebauten Toiletten zu inspizieren. Mehrere Benefizaktionen von StuDifäm in Tübingen hatten dazu beigetragen, so genannte Ventilated Improved Pit Laterines (VIPs) zu finanzieren, das Interesse der Fünf an diesen Toiletten war daher besonders groß. Die Grube dieser Plumpsklos wird im Gegensatz zu sonst in Malawi üblichen Toiletten gemauert, auf das Loch kommt ein Deckel aus Zement. Die kleinen Häuschen haben eine Tür und ein Dach aus Wellblech sowie ein Ventilationsrohr, durch das Mücken und Gase aus der Klärgrube gelangen, die übrigens erst nach mehreren Jahren voll ist. Durch die Zementplatte und das kleine Häuschen können die Toiletten jetzt auch bei Regen benutzt werden, außerdem gibt es neben jeder Toilette eine Möglichkeit zum Händewaschen. Seit diese VIPs gebaut werden, ist die Zahl der Durchfallerkrankungen merklich zurückgegangen.

Noch haben nicht alle Familien in Malambo eine eigene Toilette. Die Studierenden haben sich aber vorgenommen, mit ihren nächsten StuDifäm-Benefizaktionen dafür sorgen, dass in Malawi bald weitere Toiletten gebaut werden können. Die Baumaterialien (Zement, Wellblech für Dach und Türe, Holz sowie das Belüftungsrohr) kosten rund 90 Euro. Die Arbeitskraft kommt aus der Gemeinde, die einen so genannten Sanitation Club gegründet hat, der auch gemeinsam einen Eigenanteil (30 Prozent der Gesamtkosten) anspart. Sobald der Sanitation Club wieder genügend Geld beisammen hat, stellt das Difäm über seine malawischen Partner die restlichen Mittel zur Verfügung und besorgt die Baumaterialien. Dann packen alle mit an, um die sanitären Anlagen für eine weitere Familie zu bauen. Wir durften die VIPs ausprobieren. Ein echter Fortschritt für die Menschen in diesem Dorf!

Nachdem wir Beate in der Kirche abgeholt hatten, besuchten wir noch eine Village Clinic und sprachen dort mit der Dorfkrankenschwester, die uns unter anderem berichtete, dass Malaria jetzt während der Regenzeit ein sehr großes Problem sei. Vor allem Kinder sollten möglichst schnell behandelt werden, da das Risiko sonst sehr groß ist, dass sie die Infektion nicht überleben.

Voller Eindrücke kamen wir am Abend in Ntchisi an. P1060676

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Ein Tag bei Krankenpfleger Matthias

Heute fuhren wir früh los nach Chintembwe. Dieser kleine Ort liegt in den Hügeln etwa 25 Kilometer östlich von Ntchisi. Die Straße war trotz der starken Regenfälle am Vorabend in relativ gutem Zustand, so dass wir zügig voran kamen und unser Ziel schon nach einer knappen Stunde erreicht war. Am Straßenrand blühen bunte Zinnien, auf den Feldern wachsen Mais, Süßkartoffeln, Erdnüsse und Kartoffeln, die hier „Irish“ genannt werden.

Das Dorfgesundheitszentrum in Chintembwe ist nach einer ausgiebigen Renovierung vor kurzem wieder eröffnet worden. Der Krankenpfleger und Geburtshelfer Matthias (der Ausbildungsberuf heißt hier Nurse Midwife Technician) führt uns durch das Zentrum. In einem überdachten Warteraum sitzen viele Frauen mit ihren kleinen Kindern im Schatten. P1060761Sie lauschen einem Mitarbeiter, der ihnen erklärt, wie sie ihre Kinder gesund und ausgewogen ernähren können. Nebenher verkauft er süße bunte Eistütchen, was ihm eine scharfe Bemerkung von Esther einbringt: „Ich habe ihm gesagt, er könne nicht auf der einen Seite von gesunder Ernährung reden und auf der anderen Seite dieses ungesunde Zeug verkaufen.“ Die Kinder werden gewogen und gemessen, nicht alle finden diese Prozedur gut.

Die Daten werden in einem Gesundheitsheft vermerkt, das jeder Mensch in Malawi besitzt und in dem jede Untersuchung festgehalten wird. So haben Pflegepersonal und Ärzte einen guten Überblick über bisherige Behandlungen und Vorerkrankungen. Sind die unter zweijährigen Kinder zu leicht und zu klein, bekommen sie Aufbaunahrung. Viele der Mütter stehen bei der Verteilung dieser vom World Food Programme der Vereinten Nationen zur Verfügung gestellten Nahrungsergänzung an.

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Ausgabe von Aufbaunahrung für unterernährte Kleinkinder

Sie bekommen zwei Kilo Super Cereal plus. Die Packung enthält ein Pulver aus Mais- und Sojamehl, Zucker, Trockenmilch und Sojaöl, Vitaminen und Mineralien, das mit Wasser zu einem Brei angerührt wird. Außerdem Erdnussmus mit Zucker und weiteren Zusätzen, das in Tagesrationen verpackt ist. Die Frauen können ihre Kinder mit dieser Nahrung zwei Wochen lang versorgen und müssen dann wieder kommen, damit die Kinder erneut gewogen und für die nächsten zwei Wochen versorgt werden.

Esther berichtet mir später von Kochgruppen, die derzeit im Einzugsbereich des Nkhoma Hospital initiiert werden. In diesen Gruppen können Frauen – und vereinzelt auch Männer – Rezepte austauschen, die dann gemeinsam zubereitet werden. Bei dieser Gelegenheit wird gesunde und ausgewogene Nahrung für Babys und Kleinkinder gekocht. Die Verteilung der Nahrungsergänzung, die wir auch schon im Krankenhaus in Ntchisi beobachtet hatten, weckte in mir das Gefühl, dass diese Maßnahme noch in 100 Jahren genauso durchgeführt werden kann, ohne irgendeinen langfristigen Effekt zu haben. Die Kochgruppen hingegen bringen die Chance auf gesunde Ernährung für die ganze Familie und bekämpfen Unter- oder Mangelernährung damit sehr wirksam. Die Kosten für die Familien sind überschaubar, da vor allem Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten verwendet wird.

Im Gesundheitszentrum erzähle ich Matthias, dass es in Deutschland fast keine „männlichen Hebammen“ gibt. Er fragt erstaunt: „Dann wäre ich bei euch arbeitslos?“ „Nein, du hättest nur keine männlichen Kollegen.“ Er lacht, in Malawi gibt es viele Männer in diesem Beruf. Ich darf bei seinen Untersuchungen dabei sein. P1060820Eine junge Frau, die zum ersten Mal schwanger ist, ist mit ihrem Mann zur Vorsorge gekommen. „Wir bestehen darauf, dass die werdenden Väter mit zur Untersuchung kommen, denn sie treffen in unserer Kultur die Entscheidungen,“ sagt er mir. Um eine Frau von einer Entbindung im Gesundheitszentrum zu überzeugen, muss also vor allem ihr Mann davon überzeugt werden. Vor der Renovierung des Gesundheitszentrums waren die meisten Frauen aus der Umgebung zur Entbindung hierhergekommen. Seit der Wiedereröffnung steigen die Zahlen der hier gebärenden Frauen nur langsam wieder an. Viele gehen jetzt wieder zu traditionellen Hebammen. Die Kosten sind niedriger aber das Risiko bei Komplikationen auch schon während der Schwangerschaft ist um ein vielfaches höher als wenn Matthias die Geburt professionell begleitet und schon im Vorfeld wichtige Untersuchungen durchführen kann. Im Notfall steht hier sogar ein Krankewagen für den Transport nach Ntchisi zur Verfügung. Hier muss wieder viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

P1060840Mit Esther mache ich einen Spaziergang ins Dorf, sie möchte „Irish“ kaufen, denn die wachsen hier und sind daher viel billiger als in Nkhoma. Wir kommen an der Schule vorbei. Esther erzählt mir von ihrer großen Sorge, die sie um die Jugendlichen in Malawi hat. Die jungen Menschen haben schlechte Berufsaussichten, wenn sie die Schule abgeschlossen haben. Ihr ist es wichtig, vor allem mit ihnen zu arbeiten, damit Mädchen nicht so früh schwanger werden (die meisten werden schon mit 17 Mutter) und Jungen nicht zum Alkohol greifen und beide wissen, wie sie sich vor HIV-Infektionen schützen können.

P1060831Die Landschaft ist wunderschön, das Klima hier oben in den Hügeln angenehm und die Menschen sind sehr herzlich. Zum Abschluss meines Besuchs hat Matthias mir noch eine Stelle gezeigt, von der aus man in der Ferne den Lake Malawi sehen konnte. Dann mussten wir zurück nach Ntchisi. Für den nächsten Tag sind „dringende Geschäfte“ geplant.

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von Nkhoma nach Ntchisi

Der Sonntag ging früh los. Um 7.30 Uhr saßen wir beim englischsprachigen Gottesdienst in der Kirche. Draußen regnete es in Strömen. Der Pfarrer begrüßte die Gemeinde mit „Hello church“. Denisa und Bernhard, zwei der Studierenden, sangen im Kirchenchor mit. Überhaupt war der Gottesdienst sehr musikalisch, insgesamt sangen vier Chöre. Weil ich zum ersten Mal hier im Gottesdienst war, durfte ich nach vorne kommen und wurde vom Pfarrer und den Besuchern aus der ersten Reihe mit Handschlag begrüßt. Pünktlich zum Ende des Gottesdienstes hatte es aufgehört zu regnen, so dass Beate und ich bergauf in Richtung Nkhoma Mountain spazieren konnten. Es war schwül-heiß, die Sonne brannte.P1050730Kaum hatten wir das Dorf hinter uns gelassen, wurde die Schar der Kinder um uns herum immer größer. Jungen, die Ziegen hüteten und Mädchen, die eigentlich zum Wasser holen geschickt worden waren, begleiteten uns. Rechts des schmalen Pfades war Gestrüpp, in dem Ziegen weideten, links zogen sich Maisfelder den Hang hinauf, in denen immer mal wieder kleine runde Hütten standen. P1060558Manche Hütten sind so klein, dass man sich kaum vorstellen kann, wie eine ganze Familie darin Platz finden soll. Einer der Jungen erzählte uns, er wohne dort mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder. Klar spielt sich das Leben hier überwiegend im Freien ab, in der Regenzeit kann es aber durchaus auch mal stundenlang sehr heftig regnen, wie wir an diesem Morgen selbst erlebt hatten.

Wir hatten viel Spaß mit den Kindern, pfiffen auf Grashalmen – wobei in Malawi eine andere Technik angewendet wird, als die mir aus Deutschland bekannte. Die Kinder wollten immer wieder fotografiert werden und auch kleine Filmchen begeisterten alle. Zurück in Nkhoma hatte Esther ein leckeres Mittagessen für uns gekocht. Es gab gelben Reis, dicke Bohnen in Soße, Hühnchen und grüne Bohnen mit Karotten.

DSC_1500Um 13 Uhr holte uns dann Patrick, der Fahrer des Hospitals mit einem Geländewagen ab. Neben Beate und mir fanden Esther und die fünf Studierenden Denisa, Bernhard, Pablo, Rebekka und Simona Platz im Auto. In Lilongwe sollte noch Martin Thondolo, der Koordinator der ASSET-Projekte zusteigen. Gemeinsam fuhren wir nach Ntchisi, das etwa drei Stunden nördlich von Nkhoma liegt, um die dortigen Projekte zu besuchen. Unterwegs kamen uns immer wieder Autos entgegen, an deren Außenspiegeln Fische hingen. Einleuchtende Erklärung: Wenn man Fische vom Lake Malawi im Auto in die Stadt transportiert, dann stinkt das. DSC_1502Hinter Lilongwe verkauften Menschen Körbe mit schwarzem Inhalt. Ich hielt das anfangs für Bohnen, wurde aber eines besseren belehrt: es waren große Ameisen. In der Pfanne getrocknet und leicht gesalzen sind sie laut unseren malawischen Begleitern ein sehr leckerer Snack.

Am frühen Abend in Ntchisi angekommen wurden wir zur Tuneza Lodge gebracht, unserer Unterkunft für die nächsten drei Tage. Kurios war hier die Nummerierung der Zimmer. Scheinbar willkürlich waren die Nummern vergeben worden, die Nummer 18 lag neben der 86, dann folgte die 92. Als wir ankamen, war Stromausfall, was häufiger vorkommt in Malawi. Was klang wie ein rauschender Bach in der Nähe stellte sich als Regen heraus, der wenig später auch unsere Lodge erreicht hatte. Am nächsten Tag würden wir auf unbefestigten Straßen in einige abgelegenen Dörfern fahren. Wir waren alle sehr gespannt, wie diese Pisten nach dem heftigen Regen des heutigen Tages aussehen würden.

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Malawi – „The warm heart of Africa“

 

p1060562-e1490258280970.jpgGemeinsam mit meiner für die Projekte in Malawi zuständigen Kollegin Dr. Beate Jakob und fünf Medizinstudierenden von StuDifäm aus Tübingen bin ich in Malawi unterwegs. Wir besuchen im Ntchisi District und rund um den Ort Nkhoma Kliniken, Gesundheitszentren, Village Clinics und Dörfer, die eine Verbindung haben zu den ASSET-Projekten (Anerkennen, Stimulieren, Stärken, Einbeziehen, Transformieren). Entdecken Sie mit uns das „warme Herz Afrikas“.
Um vom Süden Deutschlands nach Malawi zu kommen ist man einen ganzen Tag unterwegs. Schon bei den Sicherheitshinweisen im Flugzeug merkt man, dass der Flug nach Afrika geht: unmissverständlich ist der Hinweis, dass man sich im Flugzeug auf gar keinen Fall in den Gang legen darf. Wie sich während der Reise zeigen sollte, finden Menschen in Afrika wirklich überall ein Plätzchen zum Schlafen.

Fliegt man von Südafrika auf die malawische Hauptstadt Lilongwe zu, fällt einem auf, dass das kleine Land sehr dicht besiedelt ist. Von oben wirkt es, als sei wirklich jeder Quadratmeter landwirtschaftlich genutzt. Immer wieder sieht man kleine Hütten oder Dörfer inmitten der Felder. Was auch auffällt ist, dass es in Malawi eigentlich keinen Wald gibt und überhaupt sehr wenige Bäume wachsen. Auf der gut einstündigen Fahrt vom Flughafen Lilongwe Richtung Süden in den Ort Nkhoma passiert man unzählige Menschen, die am Straßenrand Holzkohle oder Brennholz verkaufen oder dieses auf abenteuerlich beladenen Fahrrädern oder auf dem Kopf transportieren. Und man fährt an riesigen Transparenten vorbei, auf denen Präsident Mutharika dazu aufruft, jeder Einwohner Malawis möge pro Jahr mindestens einen Baum pflanzen. Jetzt in der Regenzeit ist alles sehr grün und fruchtbar, es braucht aber nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, wie das Land aussieht, wenn die Ernte vorüber und die Landschaft sich während der Trockenzeit in eine staubige Einöde ohne Schatten spendende Bäume verwandelt.P1070195 Weiterlesen

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