Pharmazeutische Projekte

Zu den pharmazeutischen Projekten des Difäm in Nkhoma, Malawi gehören das „Minilab“ und das Projekt „Strenghtening Pharmaceutical Management In Health Systems“.

Das „Minilab“ umfasst die Ausstattung der Projektpartner mit mobilen Minilaboren und die Schulung in deren Anwendung. Seit 2013 werden in Malawi Medikamente vom Schwarzmarkt, aber auch all jene untersucht, die das Nkhoma Krankenhaus ausgibt. Zu seinen Abnehmern zählen direkt Patienten in Nkhoma und indirekt zwölf kooperierende Health Clinics. Letzeres sind Kliniken, die Patienten in den umliegenden Dörfern vor Ort behandeln und mit Medikamenten versorgen. Das Difäm bildet Einheimische zu Fachkräften aus und stellt seinen Projektpartnern Lehrmaterialien zuzüglich sogenannter „Standards“, Produkte, mit denen die jeweiligen Medikamente in ihrer Struktur, Aussehen, Reaktion etc. verglichen werden, bereit. An jedem Ende vom Monat erstattet die Projektpartner dem Difäm über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen Bericht. Die Anzahl der monatlich untersuchten Medikamente in Malawi variiert zwischen 20 und 80 Stück. Frederik Kachiponde, der den Bachelor in Pharmazie abschloss und den pharmazeutischen Bereich im Nkhoma Krankenhaus leitet, sieht positive Entwicklungen in der Qualität von Medikamenten, da aufgrund der Arbeit des Difäm Vertreiber unwirksamer und falschdeklarierter Produkte enttarnt und vom Markt gedrängt werden konnten.

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Im Rahmen des Projektes „Strenghtening Pharmaceutical Management In Health Systems“ werden die oben genannten Health Clinics nach ihrem Management von Medikamenten untersucht und Mitarbeiter geschult. Die Lagerhaltung, Dokumentation und Ausgabe von medizinischen Produkten werden dabei beleuchtet und langfristig optimiert. Mitarbeiter der Health Clinics werden durch mehrtätige Fortbildungen sensibilisiert und trainiert. In einem daraus hervorgegangenen Forum tauschen sich die Health Clinics und das Nkhoma Hospital regelmäßig über den aktuellen Stand und mögliche Verbesserungsmaßnahmen ihrer Enrichtungen aus. Alle drei Monate erstattet Frederik Kachiponde dem Difäm Bericht und schreibt zudem diesem Projekt erhebliche Verbesserungen im Netzwerk des Nkhoma Krankenhauses zu.

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Mental Health

An einem Tag durfte ich das Mental Health Projekt innerhalb des Nkhoma Krankenhauses kennen lernen. Hierzu kamen Patienten aus dem Umkreis nach Nkhoma. Zunächst wurden Nummern auf Kartons, die nacheinander aufgerufen wurden, sowie personifizierte Formulare an die jeweiligen Patienten ausgegeben. Diese beinhalten ihren Namen, Geburtsjahr, Adresse und Diagnose sowie das Datum, Behandlung, Bemerkungen und die Unterschrift des behandelten Arztes. Im Behandlungszimmer erkundete sich Dr. Morton auf Englisch nach ihrem Befinden, aufgetretenen Anfällen oder Halluzinationen, ihrem Verhalten, einer möglichen Arbeitsstelle, ihrem Beziehungsstand und wie viele Medikamente diejenigen noch haben. Seine Fragen wurden dabei in Chichewa und die Antworten ins Englische zurückübersetzt. Dr. Morton dokumentiert den Krankheitsverlauf in den sogenannten „Healthpassports“, die Männer in der Farbe blau, Frauen in gelb und Babys in rosa bekommen. Sobald sie einmal krank sind und Medikamente brauchen wird ein solcher Gesundheitsausweis angelegt. Nicht immer kommt der Patient persönlich vorbei. Aus verschiedenen Gründen berichtet ein Vormund über die jeweilige Person. Die am häufigsten vorkommenden Krankheiten sind Epilepsie und Depressionen. Als Schwierigkeit wird das mangelnde Zeitgefühl der Malawier empfunden. Da sie zudem keine Kalender führen, können sie die Frage, wann sie das letzte Mal ihre Medikamente genommen haben, nur schwer beantworten. Am Ende des Arztbesuches werden den Patienten einen neuen Termin sowie Medikamente gegeben.

Einen Vormittag verbrachte ich mit dem Mental Health Projekt in der Outreach Clinic in dem nahegelegenen Dorf Chigodi. Mit einem Krankenwagen fuhren wir etwa zu zehnt dorthin und bauten die verschiedenen Stationen auf: Mental Health, Impfungen für Babys, HIV, Familienplanung und die Beratung und Behandlung von Schwangeren. Auch hier wurden die Formulare zu Beginn an die jeweiligen Patienten mit psychischen Erkrankungen ausgegeben, die diese, sobald sie an der Reihe sind, vorlegen. Männer und Frauen warten kulturell bedingt in separaten Gruppen. Häufige Erkrankungen sind auch hier Epilepsie aber auch Psychosen und Schizophrenie. Joyce stellte dieselben Fragen wie Dr. Morton, dokumentierte die Antworten in dem vom Patienten oder Vormund mitgebrachten Healthpassport, teilte ihnen den nächsten Termin, den sogenannten „TCM“ (time to come again) mit und gab an sie Medikamente aus. Bei dem Abzählen der einzelnen Tabletten konnte ich ihr behilflich sein. Nach drei Stunden waren wir mit 56 Patienten durch und fuhren zurück zum Nkhoma Krankenhaus.

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Nkhoma Tankstelle, Kultur der Chewa, Ebenezer School

An einem Samstag hatten wir unseren zweiten Promotionstag, an dem jeder Kunde, der 20 Liter tankte zwei von Jeanettes zubereiteten Samoosas bekam. Statt am Abend, wie uns mitgeteilt wurde, begann der Stromausfall aufgrund Arbeiten am Stromnetz in Lilongwe schon am Morgen. Leider konnten wir keinen zweiten Generator auftreiben, und so nutzen wir den einen, den wir bereits hatten und dessen Kapazität für die Inbetriebnahme einer Zapfsäule ausreicht. An dem Tag verkauften wir vergleichsweise wenig Benzin, das auf die Ankündigung der Baumaßnahmen zurückzuführen ist. Des Weiteren warten wir nun schon mehrere Wochen auf Bilderrahmen für das Aufhängen von Zertifikaten, eine Kühlbox für den Verkauf von Getränken, Sticker mit dem Aufdruck „I filled at Nkhoma Filling Station“ und auf sogenannte „Fuelcards“ mit der bargeldlos getankt werden kann. Trotz häufigem Nachfragen dauert alles in Malawi eben seine Zeit. Zumindest haben wir mittlerweile einen Generator, denn seit einigen Wochen kommen Stromausfälle in Nkhoma fast täglich vor. Dieser ermöglicht mir zudem das Aufladen meines Laptops, den ich für meine Projektarbeit über das Thema Interkulturelles Management in Malawi nutze.

Mit Lexon, einem Security Guard der Tankstelle, fuhren wir am Promotionstag zu dritt auf einem Motorrad zu einer Veranstaltung in seinem Dorf Chonde. Auf dem Weg machten wir an seinem Haus Halt, wo ich seine Wohnverhältnisse und Familie kennen lernen durfte. Als wir auf dem Veranstaltungsgelände ankamen, klärte Lexon mit dem Chief/ Häuptling des Dorfes ab, ob und unter welchen Konditionen ich an ihrer Gedenkfeier Teil nehmen darf. Nachdem ich 3.000 Malawische Kwacha (3,50€) gezahlt habe, ging ich mit allen Dorfbewohnern zum Friedhof, wo Ansprachen für einen Verstorbenen gehalten wurden, dessen Beerdigung vor einem Jahr war. Im späteren Verlauf tanzten und sangen zunächst Frauengruppen und anschließen nacheinander männliche Nyaus zu Trommelmusik, die den großen Tanz „Gule Wankulu“ maskiert und abschließend als Löwe, dem kraftvollsten Tier verkleidet, aufführten. Zwar habe ich diese Art von Tanz bereits kennen lernen dürfen, allerdings nur im Rahmen einer Show und nicht in seiner ursprünglichen, traditionellen Form. Umso begeisterter war ich von einem so „echten“ Erlebnis der Kultur der Chewas, einem Stamm aus Zentralmalawi.

Jeden Freitag führt um 7.30 Uhr eine Klasse der Ebenezer School in Nkhoma vor Unterrichtsbeginn etwas auf. Meistens singen oder tanzen die Kleinen. Ebenezer School ist eine private Grundschule inklusive Kindergarten, die vor allem für die Kinder von Mitarbeitern aus Nkhoma aufgebaut wurde. Nach dem freitäglichen Auftritt führte mich Chrissy, die Direktorin der Ebenezer School, über das Gelände und durch die Klassen. Wie in England und so auch in (ehemalig) englischen Kolonien üblich, tragen die Schüler Uniformen. Wenige Wochen später, stattete ich der Schule erneut einen Besuch ab und half bei dem Aufbau für die Abschlussfeier vor den Sommerferien. Dabei traten nacheinander alle Klassen vor Lehrern, Eltern und Freunden auf. Die ältesten Kinder aus den Kindergärten erhielten Zertifikate und sind nun Absolventen des Kindergartens. Nach den sechswöchigen Winterferien werden sie zu Schülern der Primaryschool. Auch hier in Malawi ist es nicht üblich, diesen Abschluss zu feiern, doch zur Freude aller Beteiligten findet diese Veranstaltung schon seit einigen Jahren statt.

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Malawische Hochzeit, Samoosas, Reggea

Vor wenigen Wochen durfte ich an einer malawischen Hochzeit Teil nehmen. Das Brautpaar waren Mitarbeiter des Nkhoma Krankenhauses und feierte im Süden Malawis, in der Nähe von Mulanje. Zu sechst in ein Auto gequetscht starteten wir schon früh unsere fünfstündige Fahrt. Zur Mittagszeit, nach der morgentlichen Trauung in der Kirche, kamen wir auf einer kleinen Farm an. Dort aßen wir, Männer und Frauen getrennt, auf dem Boden unter anderem Nsima und tranken das hier typische Maisgetränk Thoba. Anschließend fuhren wir zu der Lokation, wo die eigentliche Hochzeitsfeier stattfand. Nachdem das Brautpaar nach vorne getanzt kam, führte eine Moderatorin die Besucher durch das Programm, das im Grunde nur aus Tanzen und dem Werfen von Geldscheinen bestand. Dafür wurden nach und nach Gruppen aus Freunden oder Verwandten des Brautpaares aufgerufen. Ungewöhnlich aber für mich auch mittlerweile nachvollziehbar war der starke Fokus auf Geld. Die Moderatorin achtete vor allem bei den kleineren Gruppen sehr auf den Geldbetrag und forderte zu höheren Summen auf. Sehr schön zu beobachten war, wie gut sich Malawier im Allgemeinen und vor allem schon die Kleinsten bewegen können. Auch hat es mir die sehr positive Musikrichtung Afro-House angetan, die von einem DJ aufgelegt und zu der getanzt wurde. Am Nachmittag, zu der Zeit Hochzeiten in Malawi typischerweise enden, fuhren wir wieder zurück nach Nkhoma.

20170707_140635Bei meiner zweiten malawischen Kochstunde lernte ich von Jeanette die Zubereitung von Samoosas. Das sind dreieckige, gefüllte Teigtaschen, die hier häufig auf den Straßen verkauft werden. Für den Einkauf der dafür notwendigen Zutaten fuhren wir mit einem Fahrradtaxi, einem Fahrrad über dessen Hinterrad für den Passagier ein Lenker zum Festhalten und ein relativ gemütliches Sitzpolster befestigt wurde, auf den Markt. Wieder zurück machten wir uns an das Mittagessen (Nsima, Sojageschnetzeltes, Kohl mit Erdnusskrümeln) und die Samoosas mit einer Füllung aus Gemüse. Vor allem letzteres war komplexer und zeitintensiver als gedacht, aber das Ergebnis war hervorragend.

Malawi hat einige bekannte und sehr gute Reggea-Künstler. So beispielsweise Black Missionaries, Lucias Banda und Nepman, die ich bei einem Konzert in Lilongwe mit meinen Arbeitskollegen und Freunden Chris und Tionge anhören durften. Die Lokation, die Stimmung und vor allem die Musik hat mir sehr gefallen.

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Das Mental Health Projekt

Einen Tag lang bekam ich Einblick in das vom DIFÄM und von meinem dualen Partner, der Lechler Stiftung unterstützen Projekt „Mental Health“. Der malawische Staat bezuschusst Projekte im Bereich psychischer Erkrankungen kaum. Umso wichtiger sind natürlich Spendengelder. Ca. 30 traditionelle Heilerinnen und Heiler aus der Umgebung folgten am Vormittag der Einladung ins Nkhoma Hospital und lernten das „Mental Health Project“ kennen. Mir wurde das Gesprochene freundlicherweise von Chichewa auf Englisch übersetzt. Paul, der Leiter dieses Projektes, stellte das Programm vor und begann mit einer Vorstellungsrunde. Einige Heilerinnen tragen den Namen Maria, unter anderem diejenige, dich ich bereits in meinem ersten Monat nahe Nkhoma besuchte. Das hängt zum einen mit dem biblischen Namen und der spirituellen Verbindung zusammen, aber auch damit, dass Schüler häufig den Namen ihres Lehrers annehmen. Paul fragte nach Krankheiten die traditionell behandelt (z.B. Schmerzen, Astma) und nicht behandelt werden (z.B. HIV, Krebs). Zudem klärte er über Gründe auf, die psychische Erkrankungen verursachen. Dazu zählen neben der legalen Droge Alkohol und der illegalen Cannabis auch einprägsame Ereignisse wie der Verlust seiner Eltern. Die traditionellen Heilerinnen und Heiler schienen dankbar über dieses Projekt und werden in Zukunft Patienten mit psychischen Erkrankungen zum Nkhoma Hospital senden. Für einen regelmäßigen Austausch und zur Beobachtung der Anzahl und Entwicklung von psychisch erkrankten Patienten soll zukünftig monatlich ein Treffen stattfinden. Der nächste Termin fällt auf den 27. Juli, bei dem ich hoffentlich wieder dabei sein werde.

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Am Nachmittag fuhr ich mit Chimwemwe und weiteren Mitarbeitern des Nkhoma Krankenhauses und des Mental Health Projekts nach Chimwayi, das nicht weit entfernt von Nkhoma liegt. Dort fand das erste Treffen einer Selbsthilfegruppe statt, zu dem zehn Männer erschienen. Nach einem anfänglichen Gebet und einer kurzen Vorstellung aller Anwesenden, klärte die Leitung über die Substanzen Alkohol und Cannabis auf, da diese die Männer in die Abhängigkeit brachten. Es wurden Gründe, Gefahren und mögliche körperliche und psychische Entwicklungen von Alkohol- und in kleinen Teilen auch von Cannabiskonsum besprochen aber auch persönliche Erfahrungen ausgetauscht. Vor allem das günstige, in den Dörfern aus Mais gebraute „local beer“ namens Kachasu beherbergt mit einem prozentualen Alkoholanteil von 50 das größte Problempotenzial. Um herauszufinden wie viel Alkohol wöchentlich höchstens konsumiert werden sollte wird folgendermaßen vorgegangen: (Anzahl der Milliliter multipliziert mit dem prozentualen Alkoholgehalt) geteilt durch 1000. Setzt man die Werte für das Bier Karlsberg ein (330ml; 4,7%), das in Malawi gebraut wird aber nicht mit dem „local beer“ verwechselt werden sollte, erhält man 1,6 Units. Männer sollten höchstens 21 (entsprechen ca. 13 Karlsberg), Frauen 16 Units (entsprechen 10 Karlsberg) wöchentlich an Alkohol zu sich nehmen. Demnach wird der Selbsthilfegruppe zu einem verantwortungsvollen Konsumverhalten und zu keinem zwingenden Konsumstop geraten. Acht insgesamt, aber nur vier von den Anwesenden, machten erfolgreich eine Therapie in Mzuzu von der Dauer eines Monats. Das DIFÄM und die Lechler Stiftung finanzierten diese beispielsweise. Die zwei Männer mit denen ich sprach, trinken seitdem keinen einzigen Schluck mehr Alkohol und sagen selbst, ihr Leben nun in den Griff bekommen zu haben. Ein regelmäßiges Treffen soll nun alle zwei Wochen stattfinden, an denen ich sehr gerne teilnehmen und die Entwicklung beobachten möchte.

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Der zweite Monat: im Norden Malawis, traditionelle Tänze, PB+J

Ein verlängertes Wochenende, das sieben Tage an der Zahl umfasste, verbrachte ich mit Patricia, Susan und ihrem dreijährigen Sohn im Norden Malawis. Während Susan Freunde in Mzuzu besuchte, kamen Patricia und ich nach einigen Stunden abenteuerlichen Fahrt im Minibus in Nkhata Bay an. In der Mayoka Village, die aus mehreren Lodges direkt am Malawisee besteht, ließen wir es uns gut gehen. Wir lasen, schwammen, schnorchelten, stehpaddelten, fuhren bei Sonnenuntergang Kanu, schlugen uns die Bäuche mit Köstlichkeiten voll und gingen auf den Markt. Nach drei Tagen besuchten Susan und ich Freunden von ihr in Kazungu bzw. in dem kleine Dorf Kapaizi, das seit kurzem Elektrizität hat. Dort schliefen wir in einer etwas besseren Hütte, die aber keine gewohnte Dusche und Toilette besitzt. Wir duschten indem wir uns mit einem Gemisch aus gekochtem und kaltem Wasser übergossen und die Toilette bestand aus einem Loch in einer kleinen Hütte im Garten. Für mich war es in einer positiven Weise sehr erfahrungsbringend in den aus westlicher Sicht ärmlichen Verhältnisse zu leben.

Christopher, einer seiner Freunde, Patricia und ich besuchten das Denkmal des ersten Präsidenten Kamuzu Banda, der auch aus der Nähe Kazungus stammt und erfuhren von seiner Geschichte. Er trug wesentlich zur Unabhängigkeit Malawis bei, starb 1997 in Südafrika und was ich sehr oft erwähne: er war wie ich Vegetarier und damit der einzige, den ich bislang in Malawi kennen lernte. Im Anschluss sahen wir uns traditionelle Tänze zu Trommelmusik in Lilongwe an. Die Gruppe zeigte dabei Tänze wie Beni, Masewe und Kalumbwana aus verschiedenen Regionen Malawis. Da auch ich sehr gerne tanze, organisierte ich einen der Tänzer und Trommler aus der Gruppe, die nach Nkhoma kamen und einigen Studenten und mir diese Tänze im Rahmen einer Tanzstunde beibrachten. Es war zwar anstrengend aber machte auch unglaublich viel Spaß. Es gilt zu beachten, dass nicht alle Tänze mit dem Christentum vereinbar sind und diese deshalb nicht in Nkhoma aufgeführt werden dürfen. Deshalb sicherte ich mich mit den oben genannten Tänzen im Voraus ab.

Einen Vormittag durfte ich mit der NPO/ NGO Peanut butter and Jesus, kurz PB+J verbringen und ihre Arbeit kenne lernen. Während der Fahrt mit neun Malawiern konnte ich als einzige Mzungu die malawische Landschaft bestaunen und den verdutzt dreinschauenden Malawiern von der Ladefläche des Pick Up aus zuwinken. Am Health Center in Chimbalanga angekommen verteilten wir die Aufgaben. Ich half beim Erfassen des Gewichtes und der Größe von Kleinkindern während andere den Armumfang maßen. Glückicherweise war nur eines der Kinder unterernährt, was eine positive und erfreuliche Entwicklung als Resultat der Arbeit von PB+J darstellt. Dieses Kind aber auch weitere schmächtige Babys wurden vor Ort mit Erdnussbutter, die in Nkhoma von PB+J produziert wird, von ihrer Mutter gefüttert. Anschließend besuchten wir zwei Primary Schools, für die PB+J ein Fußballturnier organisiert. Als ich mein Smartphone rausholte um Bilder zu schießen, kamen die Schüler in verratzten Schuluniformen und löchrigen Klamotten angestürmt und winkten begeistert in die Selfiekamera, in der sie sich selbst sehen konnten. Natürlich bekam ich auch ein schlechtes Gewissen. Mit solcher Armut haben wir in Deutschland nicht zu kämpfen und deshalb sollten wir uns immer vor Augen führen, wie gut es uns doch eigentlich geht.

Mein Vorhaben, etwas typisch Deutsches zu kochen, setzte ich in die Tat um. Nachdem ich schon für Esther und ihre Familie Milchreis machte, bereitete ich diesmal für Christopher und seine Familie mit den hier erhältlichen Zutaten Kässpätzle zu. Ich freue mich ihnen dadurch meine Kultur näher bringen zu können und darüber, dass meine Kochkünste bislang auf positive Resonanz stießen.

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Der erste Monat: Malawisee, Besuch einer spirituelle Heilerin und Wanderungen

Nun bin ich schon fast einen Monat in Malawi und habe bereits einige Erlebnisse und Erfahrungen sammeln dürfen. Das erste Wochenende verbrachte ich mit Maria und Patricia am Malawisee in Mangochi. Der Weg dorthin war abenteuerlich. Wir mieteten ein Auto mit dem wir auf der linken Seite fuhren und die unebensten Straßen passierten, die ich bislang gesehen hatte. Wir durchfuhren, für uns, einfache und ärmliche Dörfer, überquerten Berge und konnten die Landschaft des wunderschöne Malawis kennen lernen. In der gemütlichen Lodge starteten wir mit Yoga in den Tag, schwammen, lasen, und konnten so richtig entspannen.

Eines Tages besuchten wir eine traditionelle, spirituelle Heilerin in einem kleinen Dorf nahe des Nkhoma Krankenhauses und erfuhr von ihren Heilmethoden. Eine Stimme, laut ihr handelt es sich dabei eindeutig um Jesus, übermittelt ihr welche 20170517_173111Pflanzen sie sammeln und in welcher Form und Kombination sie diese ihren Patienten verabreichen soll. Die Ärzte des Nkhoma Hospitals halten von ihrem Vorgehen recht wenig, weil viele Malawier bei Beschwerden zuerst die Heilerin aufsuchen und sich oft viel zu spät von einem ausgebildeten Arzt untersuchen und behandeln lassen.

Jeden Mittwoch und Sonntag findet in Nkhoma ein auf Englisch und/ oder Chichewa gehaltener Gottesdienst statt, an dem nahezu das gesamte Krankenhauspersonal teilnimmt. Dabei werden enthusiastische Predigen gehalten, viel gesungen und getanzt. Traditionelle Tänze wurden auch auf einer abendlichen Veranstaltung in Blantyre von Gefängnisinsassen im Rahmen eines Rehabilitationsprogrammes aufgeführt und von Trommelmusik begleitet. Sie zeigten dabei Tanzstiele aus den verschiedenen in Malawi lebenden ethnischen Gruppen und brachten auch uns Mzungus („Weiße“ auf Chichewa) zum Mitmachen.

Am Tag darauf starteten wir unsere Wanderung auf den Mulanje, der mit einer Höhe von 3100 m den höchsten Berg Malawis bildet. Der Weg zu dessen Spitze war anstrengend und kräftezehrend aber hat sich für die atemberaubende Aussicht mehr als gelohnt. Davon angetrieben, wanderte ich letztes Wochenende mit einer anderen Gruppe auf den wesentlich kleineren Nkhoma Mountain, übernachtete dort und bestaunte am nächsten Morgen den Sonnenaufgang.

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Mount Mulanje

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Nkhoma Mountain

Sonntagabend wurde ich von meinem Arbeitskollegen Christopher zu sich und seiner Familie eingeladen und lernte typische malawische Gerichte zu kochen. Dazu zählt das aus Maismehl hergestellte Leibgericht fast aller Malawier Nsima, der Fisch Chambo aus dem Malawi See und Gemüse wie Okra und Kürbisblätter. Wir aßen wie hier üblich mit den Händen und saßen auf dem Boden. Auch ich möchte ihnen als Gegenzug schon bald einen Einblick in die deutsche Küche gewähren.

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Die Arbeit an der Tankstelle geht langsam voran, da wir auf Rückmeldungen und grünes Licht von der Verwaltungsleitung angewiesen sind. Wir werteten bereits die von unseren Kunden beantworteten Feedbackbögen aus und konnten einige Verbesserungsmaßnahmen theoretisch verfassen aber leider praktisch noch nicht umsetzen. Zudem wurde eine Ölbestellung nicht rechtzeitig aufgegeben, sodass wir heute zum zweiten Tag kein Benzin verkaufen konnten und warten noch immer auf einen Generator, der uns einen Verkauf bei während den hier häufig vorkommenden Stromausfällen ermöglicht. Trotz alledem kann ich hier relativ frei hantieren und habe Freude an der Zusammenarbeit mit dem Personal des Nkhoma Hospitals und vor allem mit dem der Tankstelle.

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Meine Arbeit in Nkhoma

Am 8. Mai hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Als Studentin des Studienganges Dienstleistungsmanagement für Non-Profit-Organisationen an der DHBW werde ich in dem halben Jahr meines Aufenthaltes in der Verwaltung des Nkhoma Krankenhauses tätig sein. Pünktlich um 8 Uhr fand ich mich also vor dem Büro der Verwaltungsleitung Brenda vor, die allerdings, wie ich nach einer halben Stunde erfuhr, heute nicht zur Arbeit kommen wird. Willkommen in Malawi und damit tschüss zur deutschen strukturierten Arbeitswelt und Pünktlichkeit. Dr. Morton erzählte mir im weiteren Verlauf des Tages von dem Nkhoma Hospital und den vier Bereichen, über die es neben den geringen Einnahmen von Patienten für deren Behandlungen finanziert wird: dem Gästehaus, der Küche, dem Universitätsbereich sowie einer Tankstelle, die erst heute in Betrieb genommen wurde. In den nächsten Monaten soll ich die Tankstelle kennen lernen und mich und meine Kenntnisse verstärkt darin einbringen.
Nachdem der IT-Mitarbeiter James meinen Laptop eingerichtet hat, erstellte Christopher, der Supervisor der Tankstelle mit dem ich in nächster Zeit eng zusammen arbeiten werde, gemeinsam mit mir eine Excel-Tabelle, bei der ich mein EDV-Wissen einfließen lassen konnte. Christopher erklärte mir mit viel Geduld das genaue Vorgehen, da ich noch nie zuvor in einer Tankstelle gearbeitet geschweige denn eine dafür notwendige Tabelle erstellt habe. Der erste Arbeitstag war zwar ziemlich unstrukturiert und unkoordiniert doch trotz allem sind die Menschen hier sehr freundlich und nett. Insbesondere ihre Chitenjes, das sind bunten Tücher in allen möglichen Farben und Mustern die als Röcke und Kleider getragen oder zu Rucksäcken und Babytragetaschen umfunktioniert werden, haben es mir angetan. Nach der Arbeit machte ich einen Abstecher auf dem Markt und brachte einige Brocken der malawischen Sprache Chichewa zustande. Im Gästehaus gibt es die Möglichkeit für 1000 MK, das entspricht 1,23 €, unter der Woche ein gekochtes Abendessen zu bekommen und den Abend bei netten Gesprächen und Karten- oder Brettspielen gemeinsam ausklingen zu lassen.
Christopher und ich lernten uns in der ersten Woche näher kennen und mögen. Wir sprachen viel über kulturelle Unterschiede und seinen Wunsch, in Deutschland Marketing zu studieren. Wir entwickelten einige Marketingmaßnahmen und stellten diese sowie die Excel-Tabelle Brenda, die erst am Mittwoch kam, vor. Glücklicherweise war sie sehr begeistert und so machten wir uns an die Umsetzung unserer Konzepte.
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