Beiträge mit dem Schlagwort: Alltag

Reggae und Rastafari

Reggae zählt zu den beliebtesten Musikrichtungen in Malawi. Es gibt einige Künstler wie The Black Missioneries, Lucius Banda, Nepman, Skeffa Chimoto und Lenzoh Mshanga, von denen ich bereits auf einigen Konzerten in Lilongwe war. Dabei durfte ich Rastafarians kennen lernen, von denen mich einer, Selasie Souljah, eines Samstages mit in seinen Gottesdienst nahm. Rastafari ist eine stark mit dem Christentum verbundene Glaubensrichtung. Seine Anhänger tragen grundsätzlich Dreadlocks, lehnen Alkohol, Tabak und Salz ab und ernähren sich möglichst ohne tierische Produkte. Viele, aber nicht alle, konsumieren Cannabis, das sowohl in Malawi wie auch in Deutschland illegal ist. In all ihrem Tun berufen sie sich auf die (christliche) Bibel. Beim Gottesdienst sollen Frauen keine Ohrringe aber ein Kopftuch tragen und ihre Schultern bedecken. Dort wurde getrommelt, gesungen und getanzt. Weil sie auf Chichewa gehalten wurde, konnte ich die Predigt leider nicht verstehen. Trotzdem war es eine sehr interessante Erfahrung, die ich dort machen durfte.

Letztes Wochenende verbrachte ich mit Selasie und Tiwonge, meiner Arbeitskollegin und Freundin in Salima auf dem Sound and Light Festival. Dort spielten einige der bereits genannten malawischen Reggeakünstler direkt am Strand. Im Vergleich zu deutschen Festivals war es ziemlich klein und hatte wenig Auswahl an Essen und Kaufmöglichkeiten. Dafür war es gemütlich und übersichtlich aber auch sehr heiß. Wir schwammen, tanzten und genossen unser Wochenende bis wir uns Sonntagnachmittag auf den Rückweg nach Nkhoma machten.

Advertisements
Kategorien: Malawi | Schlagwörter: , , | Hinterlasse einen Kommentar

Malawische Hochzeit, Samoosas, Reggea

Vor wenigen Wochen durfte ich an einer malawischen Hochzeit Teil nehmen. Das Brautpaar waren Mitarbeiter des Nkhoma Krankenhauses und feierte im Süden Malawis, in der Nähe von Mulanje. Zu sechst in ein Auto gequetscht starteten wir schon früh unsere fünfstündige Fahrt. Zur Mittagszeit, nach der morgentlichen Trauung in der Kirche, kamen wir auf einer kleinen Farm an. Dort aßen wir, Männer und Frauen getrennt, auf dem Boden unter anderem Nsima und tranken das hier typische Maisgetränk Thoba. Anschließend fuhren wir zu der Lokation, wo die eigentliche Hochzeitsfeier stattfand. Nachdem das Brautpaar nach vorne getanzt kam, führte eine Moderatorin die Besucher durch das Programm, das im Grunde nur aus Tanzen und dem Werfen von Geldscheinen bestand. Dafür wurden nach und nach Gruppen aus Freunden oder Verwandten des Brautpaares aufgerufen. Ungewöhnlich aber für mich auch mittlerweile nachvollziehbar war der starke Fokus auf Geld. Die Moderatorin achtete vor allem bei den kleineren Gruppen sehr auf den Geldbetrag und forderte zu höheren Summen auf. Sehr schön zu beobachten war, wie gut sich Malawier im Allgemeinen und vor allem schon die Kleinsten bewegen können. Auch hat es mir die sehr positive Musikrichtung Afro-House angetan, die von einem DJ aufgelegt und zu der getanzt wurde. Am Nachmittag, zu der Zeit Hochzeiten in Malawi typischerweise enden, fuhren wir wieder zurück nach Nkhoma.

20170707_140635Bei meiner zweiten malawischen Kochstunde lernte ich von Jeanette die Zubereitung von Samoosas. Das sind dreieckige, gefüllte Teigtaschen, die hier häufig auf den Straßen verkauft werden. Für den Einkauf der dafür notwendigen Zutaten fuhren wir mit einem Fahrradtaxi, einem Fahrrad über dessen Hinterrad für den Passagier ein Lenker zum Festhalten und ein relativ gemütliches Sitzpolster befestigt wurde, auf den Markt. Wieder zurück machten wir uns an das Mittagessen (Nsima, Sojageschnetzeltes, Kohl mit Erdnusskrümeln) und die Samoosas mit einer Füllung aus Gemüse. Vor allem letzteres war komplexer und zeitintensiver als gedacht, aber das Ergebnis war hervorragend.

Malawi hat einige bekannte und sehr gute Reggea-Künstler. So beispielsweise Black Missionaries, Lucias Banda und Nepman, die ich bei einem Konzert in Lilongwe mit meinen Arbeitskollegen und Freunden Chris und Tionge anhören durften. Die Lokation, die Stimmung und vor allem die Musik hat mir sehr gefallen.

Kategorien: Difäm, Malawi, Uncategorized | Schlagwörter: , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der zweite Monat: im Norden Malawis, traditionelle Tänze, PB+J

Ein verlängertes Wochenende, das sieben Tage an der Zahl umfasste, verbrachte ich mit Patricia, Susan und ihrem dreijährigen Sohn im Norden Malawis. Während Susan Freunde in Mzuzu besuchte, kamen Patricia und ich nach einigen Stunden abenteuerlichen Fahrt im Minibus in Nkhata Bay an. In der Mayoka Village, die aus mehreren Lodges direkt am Malawisee besteht, ließen wir es uns gut gehen. Wir lasen, schwammen, schnorchelten, stehpaddelten, fuhren bei Sonnenuntergang Kanu, schlugen uns die Bäuche mit Köstlichkeiten voll und gingen auf den Markt. Nach drei Tagen besuchten Susan und ich Freunden von ihr in Kazungu bzw. in dem kleine Dorf Kapaizi, das seit kurzem Elektrizität hat. Dort schliefen wir in einer etwas besseren Hütte, die aber keine gewohnte Dusche und Toilette besitzt. Wir duschten indem wir uns mit einem Gemisch aus gekochtem und kaltem Wasser übergossen und die Toilette bestand aus einem Loch in einer kleinen Hütte im Garten. Für mich war es in einer positiven Weise sehr erfahrungsbringend in den aus westlicher Sicht ärmlichen Verhältnisse zu leben.

Christopher, einer seiner Freunde, Patricia und ich besuchten das Denkmal des ersten Präsidenten Kamuzu Banda, der auch aus der Nähe Kazungus stammt und erfuhren von seiner Geschichte. Er trug wesentlich zur Unabhängigkeit Malawis bei, starb 1997 in Südafrika und was ich sehr oft erwähne: er war wie ich Vegetarier und damit der einzige, den ich bislang in Malawi kennen lernte. Im Anschluss sahen wir uns traditionelle Tänze zu Trommelmusik in Lilongwe an. Die Gruppe zeigte dabei Tänze wie Beni, Masewe und Kalumbwana aus verschiedenen Regionen Malawis. Da auch ich sehr gerne tanze, organisierte ich einen der Tänzer und Trommler aus der Gruppe, die nach Nkhoma kamen und einigen Studenten und mir diese Tänze im Rahmen einer Tanzstunde beibrachten. Es war zwar anstrengend aber machte auch unglaublich viel Spaß. Es gilt zu beachten, dass nicht alle Tänze mit dem Christentum vereinbar sind und diese deshalb nicht in Nkhoma aufgeführt werden dürfen. Deshalb sicherte ich mich mit den oben genannten Tänzen im Voraus ab.

Einen Vormittag durfte ich mit der NPO/ NGO Peanut butter and Jesus, kurz PB+J verbringen und ihre Arbeit kenne lernen. Während der Fahrt mit neun Malawiern konnte ich als einzige Mzungu die malawische Landschaft bestaunen und den verdutzt dreinschauenden Malawiern von der Ladefläche des Pick Up aus zuwinken. Am Health Center in Chimbalanga angekommen verteilten wir die Aufgaben. Ich half beim Erfassen des Gewichtes und der Größe von Kleinkindern während andere den Armumfang maßen. Glückicherweise war nur eines der Kinder unterernährt, was eine positive und erfreuliche Entwicklung als Resultat der Arbeit von PB+J darstellt. Dieses Kind aber auch weitere schmächtige Babys wurden vor Ort mit Erdnussbutter, die in Nkhoma von PB+J produziert wird, von ihrer Mutter gefüttert. Anschließend besuchten wir zwei Primary Schools, für die PB+J ein Fußballturnier organisiert. Als ich mein Smartphone rausholte um Bilder zu schießen, kamen die Schüler in verratzten Schuluniformen und löchrigen Klamotten angestürmt und winkten begeistert in die Selfiekamera, in der sie sich selbst sehen konnten. Natürlich bekam ich auch ein schlechtes Gewissen. Mit solcher Armut haben wir in Deutschland nicht zu kämpfen und deshalb sollten wir uns immer vor Augen führen, wie gut es uns doch eigentlich geht.

Mein Vorhaben, etwas typisch Deutsches zu kochen, setzte ich in die Tat um. Nachdem ich schon für Esther und ihre Familie Milchreis machte, bereitete ich diesmal für Christopher und seine Familie mit den hier erhältlichen Zutaten Kässpätzle zu. Ich freue mich ihnen dadurch meine Kultur näher bringen zu können und darüber, dass meine Kochkünste bislang auf positive Resonanz stießen.

Kategorien: Difäm, Malawi, Uncategorized | Schlagwörter: , , , | 2 Kommentare

Meine Arbeit in Nkhoma

Am 8. Mai hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Als Studentin des Studienganges Dienstleistungsmanagement für Non-Profit-Organisationen an der DHBW werde ich in dem halben Jahr meines Aufenthaltes in der Verwaltung des Nkhoma Krankenhauses tätig sein. Pünktlich um 8 Uhr fand ich mich also vor dem Büro der Verwaltungsleitung Brenda vor, die allerdings, wie ich nach einer halben Stunde erfuhr, heute nicht zur Arbeit kommen wird. Willkommen in Malawi und damit tschüss zur deutschen strukturierten Arbeitswelt und Pünktlichkeit. Dr. Morton erzählte mir im weiteren Verlauf des Tages von dem Nkhoma Hospital und den vier Bereichen, über die es neben den geringen Einnahmen von Patienten für deren Behandlungen finanziert wird: dem Gästehaus, der Küche, dem Universitätsbereich sowie einer Tankstelle, die erst heute in Betrieb genommen wurde. In den nächsten Monaten soll ich die Tankstelle kennen lernen und mich und meine Kenntnisse verstärkt darin einbringen.
Nachdem der IT-Mitarbeiter James meinen Laptop eingerichtet hat, erstellte Christopher, der Supervisor der Tankstelle mit dem ich in nächster Zeit eng zusammen arbeiten werde, gemeinsam mit mir eine Excel-Tabelle, bei der ich mein EDV-Wissen einfließen lassen konnte. Christopher erklärte mir mit viel Geduld das genaue Vorgehen, da ich noch nie zuvor in einer Tankstelle gearbeitet geschweige denn eine dafür notwendige Tabelle erstellt habe. Der erste Arbeitstag war zwar ziemlich unstrukturiert und unkoordiniert doch trotz allem sind die Menschen hier sehr freundlich und nett. Insbesondere ihre Chitenjes, das sind bunten Tücher in allen möglichen Farben und Mustern die als Röcke und Kleider getragen oder zu Rucksäcken und Babytragetaschen umfunktioniert werden, haben es mir angetan. Nach der Arbeit machte ich einen Abstecher auf dem Markt und brachte einige Brocken der malawischen Sprache Chichewa zustande. Im Gästehaus gibt es die Möglichkeit für 1000 MK, das entspricht 1,23 €, unter der Woche ein gekochtes Abendessen zu bekommen und den Abend bei netten Gesprächen und Karten- oder Brettspielen gemeinsam ausklingen zu lassen.
Christopher und ich lernten uns in der ersten Woche näher kennen und mögen. Wir sprachen viel über kulturelle Unterschiede und seinen Wunsch, in Deutschland Marketing zu studieren. Wir entwickelten einige Marketingmaßnahmen und stellten diese sowie die Excel-Tabelle Brenda, die erst am Mittwoch kam, vor. Glücklicherweise war sie sehr begeistert und so machten wir uns an die Umsetzung unserer Konzepte.
Kategorien: Malawi | Schlagwörter: , | Hinterlasse einen Kommentar

Es gibt nichts, was es nicht gibt

Weg zum Panzi

Auf dem Weg zum Panzi-Krankenhaus

Samstag, 15. August 2015 – Im Radio hören wir von Schüssen und Tumulten im Panzi-Viertel. Laut dem Bericht hatten Jugendliche Marihuana geraucht und wurden von einem Polizisten erwischt, den sie anschließend attackierten. Der verletzte Mann wurde ins Krankenhaus gebracht, in das die Jugendlichen später eindrangen und den behandelnden Arzt angriffen. 

Tatsächlich sind solche Geschichten nicht selten: Verschleppte Angestellte, Übergriffe, Gebrauch von Waffen… Nachmittags erkunden wir zu Fuß uns noch unbekannte Straßen – nur wenige Hausecken von unserem Viertel entfernt. Wir werden begleitet von einem norwegischen Missionar, einer Studentin aus Norwegen, die für ihre Masterarbeit Befragungen mit Gemeinden zur Gewalt gegen Frauen durchführt, und einem 7-jährigen Jungen, dessen mexikanische Mutter und kongolesischer Vater im Panzi-Krankenhaus arbeiten. Vor uns geraten plötzlich mehere Männer in Streit. Die aufgeladene Stimmung drängt uns zum schnellen Weitergehen.

Viertel

Schwer zu durchschauen: Die Demokratische Republik Kongo

Das dicht bebaute und chaotisch wirkende Viertel ist ein Sammelsurium aus kleinen Marktständen, Verkaufsbuden, Reparaturwerkstätten, kleinen kirchlichen Gebäuden und Wohnhäusern. Dicht gedrängt laufen wir im Staub der uns überholenden Taxis, Minibussen und Motorräder weiter.

Von überall hören wir „Mzungu, mzungu“ (Weißer, Weißer) und neugierige Blicke verfolgen uns. Schüchtern lächelnde Kinder und Frauen, die uns hinterherlaufen und auf unser „Jambo“ lächelnd oder herzlich lachend und winkend antworten.

Vieles ist und bleibt undurchschaubar. Nicht nur die Stadt Bukavu hat viele Gesichter. Das ganze Land ist vielfältig und vielschichtig. Manche sagen, es gibt nichts, was es hier nicht gibt. Auf den Märkten kann man Dinge erwerben, deren Besitz in anderen Ländern unter Strafe steht. Es gibt rohes und grausames Verhalten, aber auch barmherzige und bemühte Menschen und Momente großer Herzlichkeit. Viele Menschen müssen improvisieren, um zu überleben. Es gibt komplizierte Strukturen und Regeln in der Familie, in der Gemeinde und der Gesellschaft, die wir nicht verstehen und nachvollziehen können. 

Der Kongo zählt zu einem der gefährlichsten Land für Frauen und Mädchen weltweit. Aber es ist auch ein faszinierendes, wunderschönes Land mit bewundernswerten und engagierten Menschen, die sich für eine gute und gerechte Gesundheitsversorgung und gegen Gewalt einsetzen. Diese Frauen und Männer möchten wir weiterhin so gut es geht in ihrer Arbeit unterstützen.

Arzt Untersuchung

Ein Arzt in Kakwende kümmert sich rührend um seine Patienten

Kategorien: Kongo Projektreise | Schlagwörter: , , , | Ein Kommentar

Eindrücke aus Bukavu

Wohnzimmer

Es dämmert bereits gegen 18 Uhr. Püntklich um 18.30 Uhr wird der Strom angestellt. Nach Einbruch der Dunkelheit sollen wir ohne Begleitung unseren Compound aus Sicherheitsgründen nicht mehr verlassen. Daher haben wir abends Zeit, die Eindrücke des Tages auf Papier zu bringen.

Dusche

Es gibt nur zu gewissen Zeiten Wasser und Strom und sammeln zur Sicherheit Wasser in Eimern. Wir duschen mit Hilfe einer kleinen Plastikflasche, mit der wir Wasser aus dem Eimer schöpfen. Wenn wir Wasser haben und den Eimer auffüllen, müssen wir aufpassen: Unsere Dusche steht unter Strom…

Sonnenaufgang

Unsere Straße bei Sonnenaufgang

Bukavu von oben

Bukavu von oben

Fußball

Nachmittagsbeschäftgung: Zufällig kamen wir an einem Fußballspiel mit vorbei

Manio Mehl

Maniokmehl beim Trocknen

Anna Buck

Ich bei der Arbeit 🙂

Bananeneinkauf

Auf dem Markt auf dem Weg nach Kakwende

Flagge

Die kongolesische Flagge

Gruppenfoto

Nach jedem Meeting gibts ein Gruppenfoto – hier nach dem Treffen mit den medizinischen Koordinatoren der Evangelischen Kirchen.

Kategorien: Kongo Projektreise | Schlagwörter: , , | 2 Kommentare

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.