Beiträge mit dem Schlagwort: Apotheke

Richtung Heimat

Der letzte Tag beginnt. Wir sind noch in Koyom. Morgens wollen wir uns noch das Krankenhaus genauer anschauen und dann zurück in die Hauptstadt fahren, um abends zurückzufliegen.

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Tuberkulosepatient

Wir nehmen an der Morgenandacht teil, dann besuchen wir die Stationen des Krankenhauses. Es gibt die Geburtshilfe, einen Tuberkulosetrakt, die Chirurgie mit zwei Operationssälen sowie die Apotheke und das Labor. Ich interessiere mich für die Chirurgie und darf eine kleine Weile bei einer OP zuschauen. Operiert wird an diesem Morgen von zwei Krankenpflegern, da die Ärzte zu viel anderes zu tun haben.dscf6479

Vor dem Operationssaal warten weitere Patienten, die an dem Tag operiert werden sollen. Alle haben Pappkartons dabei, die neben ihnen stehen. Sie müssen zwar für die Operation nichts bezahlen, jedoch alle Verbrauchsmaterialien und Medikamente dafür selbst kaufen und mitbringen. Mit den Kisten sieht es hier eher nach einem Warteraum am Busbahnhof aus, als nach der Chirurgie eines Krankenhauses.dscf6415

Vor der Apotheke stehen Patienten in einer langen Schlange. Hier kaufen sie jeden Morgen ihre Medikamente.

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Apotheke

Im Schatten der Bäume auf dem Gelände des Krankenhauses sitzen und liegen die Angehörigen der Patienten auf Strohmatten. Sie warten auf die Genesung, tage- aber auch wochenlang, und bekochen ihre Angehörigen, da es keine Krankenhauskantine gibt.dscf6432

Ute und ich verabschieden uns von den Mitarbeitenden und bedanken uns für die Gastfreundlichkeit und das Engagement im Projekt. Wir brechen auf, zurück Richtung Hauptstadt. Um einen platten Reifen kommen wir auch dieses Mal leider nicht herum. Aber wir kommen rechtzeitig an. Es reicht noch für ein gemeinsames Abendessen mit unserem Fahrer, wie immer hauptsächlich gegrilltes Fleisch. Dann ab zum Flughafen. Dieser wurde kürzlich renoviert – und nach dem einchecken ist man in einer anderen Welt. Alles ist weiß gestrichen, einigermaßen sauber und hell, und der Warteraum ist auf gefühlte Minusgrade heruntergekühlt. Nach schon wenigen Minuten wirken die letzten Tage sehr weit entfernt.

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Kamelmilch und traditionelle Hebammen

Heute gehen wir an die Basis, in ein Dorf, wo die Arbeit stattfindet. Ich darf den großen Jeep fahren, und kämpfe mich durch die Schlaglöcher und den Sand zu einer Gesundheitseinrichtung in der Nähe von Koyom. Rosalie, die leitende Hebamme ist mit dabei, um zu übersetzen und uns den Weg zu zeigen. Der Leiter der Gesundheitseinrichtung, die Hilfshebamme und ein Apotheker von vor Ort erwarten uns schon. Zur Begrüßung gibt es heiße Kamelmilch mit viel Zucker, nicht wirklich erfrischend bei 35 Grad, aber dennoch lecker.dscf5783

Wir bekommen eine Führung durch die Einrichtung. Einrichtung ist vielleicht etwas übertrieben, das Gebäude besteht aus drei Zimmern. Einem Untersuchungsraum mit abgetrenntem Raum wo die Geburten stattfinden, ein kleines Lager für Medikamente von wo der Apotheker diese auch verkauft und einem Wartezimmer für Schwangere die mit Wehen kommen.

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Das Wartezimmer

Das Wartezimmer ist völlig karg, es gibt nicht einmal ein Bett, nur eine Matte auf dem harten Boden. Der Untersuchungsraum besteht aus einem kleinen Tisch für den Leiter, ein labiles Krankenbett für die Untersuchungen, für die eigentliche Geburt gibt es einen Plastikstuhl. Auch in der Apotheke sieht es nicht viel besser aus, die wenigen Regale sind fast leer, es fehlt an allem.

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Medikamentenlager der Apotheke

Die Mitarbeiter sind dennoch motiviert, berichten stolz von den über 250 Kindern die hier im letzten Jahr mit ihrer Unterstützung geboren wurden. Was ihnen am meisten fehlt sind grundlegende Dinge, Handschuhe für die Geburt, HIV-Schnelltests, einen weiteren Satz Instrumente (Schere, Zange usw.) falls zwei Frauen gleichzeitig entbinden.

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Treffen mit den traditionellen Hebammen

Vor der Gesundheitseinrichtung hat sich mittlerweile eine kleine Gruppe zusammengefunden. Es sind alte Frauen, traditionelle Hebammen die im Dorf bei Geburten Unterstützung leisten. Sie haben nie eine Ausbildung bekommen, learning-by-doing, so hätten sie gearbeitet. Die Frauen erzählen uns, dass sie sich auch nie für den Beruf entschieden haben, Ihre Mütter haben schon bei Geburten geholfen, und von ihnen wurde erwartet die Aufgabe zu übernehmen. Sie berichten vom Wandel der letzten Jahre, sie haben schon lange keine Geburten mehr durchgeführt, die jungen Frauen würden alle in die Gesundheitseinrichtung kommen. Früher haben noch fast alle daheim entbunden. Sie sind ganz froh über die Entwicklung, sie waren selbst überfordert, konnten bei Problemen keine Hilfe leisten und wurden nie für ihre Arbeit entlohnt. Schwangere Frauen würden sich bei Fragen jetzt eher an die Animateure und die Hilfshebamme wenden, nicht mehr an sie.

Ute und ich sind froh über die Entwicklung, zu dem das Projekt sicher einen Beitrag geleistet hat. 

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Jugaad im Tschad, der Krankenpfleger demonstriert seinen selbst gebauten Ventilator

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