Beiträge mit dem Schlagwort: Entwicklungszusammenarbeit

Workshop in Koyom

dscf5579Ich wache früh auf in Koyom, einmal wegen der Hitze, andererseits wegen dem Gegackere der Perlhühner, die vor meinem Zimmer umher stolzieren. Nach dem Frühstück, bestehend aus einem Hühnchen und etwas frittiertem Brot, machen wir uns auf zum Evangelischen Krankenhaus Koyom. Koyom selber ist eigentlich ein Dorf mit etwas mehr als 10.000 Einwohnern, besitzt aber ein Krankenhaus mit 100 Betten (Zum Vergleich, unsere Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus in Tübingen hat 90 Betten).

Das Krankenhaus wurde von der Evangelischen Mission im Tschad ( EMT – Hospital Koyom) mit aufgebaut und steht seit 2002 unter der Leitung des tschadischen Arztes, Dr. Djekadoum N´Dilta Osée, der auch ein Partner des Difäm ist. Er führt uns in einem ersten Gespräch in das Projekt vor Ort ein und stellt uns Hebamme Rosalie vor, die für die  Koordination unseres Projektes in Koyom zuständig ist.

Jedes halbe Jahr findet ein Treffen in Koyom statt, bei dem alle Animateure, Matrones und Krankenpfleger der Gesundheitseinrichtungen, die an unserem Projekt teilhaben, zusammen kommen. Es werden die Fallzahlen des letzten Halbjahres durchgesprochen und organisatorische Fragen geklärt. Danach sind Ute und ich an der Reihe. Wir haben einen kleinen Workshop geplant und teilen die Anwesenden in Gruppen auf. In den Gruppen besprechen wir dann die Stärken und Schwächen des Projektes. Es gibt eine Präsentationsrunde, alle Ergebnisse werden noch einmal vorgestellt und mit allen Teilnehmenden diskutiert. Das Personal empfindet das Projekt als sehr hilfreich und arbeitet gerne mit. Sie schätzen es sehr, dass Sie vom Difäm die Möglichkeit der Weiterbildung im Gesundheitsbereich zu Schwangerschaft und Geburt bekommen haben.

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Krankenpfleger beim Vorbereiten

Die Probleme werden auch deutlich. Für die Animateure und Hilfshebammen sind die Distanzen in die Dörfer groß, es ist anstrengend in der großen Hitze mit dem Fahrrad oder in der Regenzeit durch die überlaufenden Flüsse alle zu erreichen. Die Krankenpfleger berichten uns von der oft mangelnden Versorgung mit Medikamenten oder kaputter Untersuchungsausrüstung.

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Animateure beim Workshop

Die nächsten Tage werden wir einige Einrichtungen besuchen, um uns direkt ein Bild zu verschaffen. Wir wollen auch vor Ort mit Schwangeren sprechen, um von ihnen einen Eindruck der Situation zu gewinnen.

Am späten Nachmittag essen wir alle zusammen, dann macht sich jeder auf den Heimweg. Ich spaziere noch etwas am Fluss von Koyom entlang und durch das Dorf zurück, bevor es dunkel wird.

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Unser Nachbarhaus in Koyom

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Sonnenuntergang am Logone-Fluss

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Gesundheitsversorgung in einer Krisenregion

Von oben sieht die Provinzhauptstadt aus wie eine Hand mit fünf Fingern. Die Finger sind Landzungen, die sich in den Kivu-See strecken.

Von oben sieht die Provinzhauptstadt aus wie eine Hand mit fünf Fingern. Die Finger sind Landzungen, die sich in den Kivu-See strecken.

Montag, 10. August 2015 – Bukavu ist eine quirlige, bunte und laute Stadt. Überall sind Menschen unterwegs – zu Fuß, auf Rollern oder im Auto. Vor großen Werbeplakaten und bunten Hausfassaden sind kleine Stände und vereinzelte Märkte aufgebaut, auf denen sich unzählige Menschen tummeln. Offiziell leben hier rund 750.000 Menschen. Inoffiziell wird die Einwohnerzahl auf 1 Million geschätzt. Auch wirkt die Stadt friedlich. Nur die UN-Fahrzeuge und die kongolesischen Militärs, die ab und an ihre Laufrunden durch die Stadt drehen, erinnern an eine gewisse Instabilität und Unsicherheit in der Region. Plünderung, Rebellenarmee, systematische Vergewaltigungen und Kindersoldaten scheinen hier im alltäglichen Trubel der Stadt wie Begriffe aus einer anderen Welt.

Hausfassade

Große Werbeplakate, bunte Hausfassaden und Blumen zieren das Stadtbild von Bukavu.

(Mehr über die geschichtlichen und aktuellen Hintergründe der Konflikte im Ost-Kongo erfahrt Ihr im Artikel des Journalisten Dominik Johnson in der aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift ‚Gesundheit in der Einen Welt‘)


Medizinische Arbeit der Kirchen

Nach einem offiziellen Besuch beim Vizepräsidenten der Dachorganisation evangelischer Kirchen (ECC) sind wir heute zu einer Besprechung im Büro unserer Partner Dr. Nicolas Mihuhi und Bujiriri Chokola eingeladen. Von ihrem Büro in Bukavu aus koordinieren und leiten sie die kirchlichen Gesundheitsdienste und medizinische Arbeit der Mitgliedskirchen der ECC in der Region Süd Kivu. Nach wie vor wird die Gesundheitsversorgung im Ost-Kongo bis zu 70 Prozent von kirchlichen Trägern wahrgenommen. Daher ist die medizinische Arbeit der ECC für die Basisversorgung der über 4.6 Millionen Menschen in der Region eine wichtige Ergänzung zu staatlichen Gesundheitsstrukturen.

DOM

Der Leiter des Koordinationsbüros, Dr. Mihuhi, sein Mitarbeiter Bujiriri sowie der Statistiker des Koordinationsbüros geben uns bei dem Treffen einen Einblick in ihre derzeitige Arbeit.

Auf der Grundlage einer Datenerhebung und Situationsanalyse nimmt das Koordinationsbüro (Département des Œuvres Médicales – DOM) Supervisionen in den Gesundheitseinrichtungen wahr: Was gibt es an Personal, haben die Mitarbeitenden die notwendige Ausbildung, welche Tätigkeiten üben sie aus, welchen Zustand haben die Gebäude, wo stehen wir in Bezug auf die Ausstattung der Einrichtung – und wo gibt es Verbesserungsbedarf? Das Koordinationsteam berät und unterstützt die jeweiligen Einrichtungen bei der Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen.  Daneben ist das Team für den Wiederaufbau zerstörter Gebäude, die Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals und die Versorgung mit essentiellen Medikamenten und Verbrauchsmaterialien verantwortlich. Immer noch gibt es Zeiten, in denen bestimmte Medikamente nicht vorhanden sind. Auch die Finanzierung der laufenden medizinischen Versorgung ist ein wichtiges Thema.


Pilotprojekt zur Qualitätssicherung

Nun soll in einigen Einrichtungen ein Pilotprojekt zur Qualitätssicherung und Konfliktmanagement eingeführt werden. „Hierfür dokumentieren wir die Abläufe in einem Krankenhaus vom Empfang eines Patienten bis zu seiner Entlassung, von der OP-Vorbereitung über die Durchführung der Visite bis hin zur Bestellung von Medikamenten“, erklärt eine deutsche Mitarbeiterin des Büros. Anschließend sollen Standards für die Arbeitsabläufe eingeführt werden. Konflikte und Ineffizienzen entstehen bereits, wenn der behandelnde Arzt vor seiner Untersuchung erstmal das Blutdruckmessgerät suchen muss oder sich die Mediziner über das richtige Medikament einigen müssen. Da es meist keine Krankenversicherung und selten staatliche Zuschüsse gibt, müssen sich viele Krankenhäuser über die Patientengebühren selbst finanzieren. Doch wenn das Medikament oder die Behandlung zu teuer ist, kommen die Patienten nicht ins Krankenhaus. So ist jede Behandlung eine Gradwanderung und die Mediziner müssen oft selbst entscheiden, was sie anbieten und in Rechnung stellen.

Das Difäm unterstützt die medizinische Koordination der ECC seit mehr als zehn Jahren mit Workshops, Beratung und finanziellen Hilfen. Die Difäm-Arzneimittelhilfe hat den Gesundheitseinrichtungen in den vergangenen Jahren immer wieder Medikamente und HIV-Tests zur Verfügung gestellt. Seit 2012 wird das Projekt durch Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst finanziell unterstützt.

Ein weiteres Thema, das zur Sprache kommt, ist die kostenfreie medizinische Versorgung von Flüchtlingen aus dem Nachbarstaat Burundi. Einige Gesundheitseinrichtungen in der Region nahe der Grenze haben durch die Bereitstellung von Behandlung und Medikamenten Schulden gemacht, die sie nun nicht zurückzahlen können. Noch ist nicht geklärt, wer die Kosten dafür tragen wird.

Apotheke

Das riesige Medikamentenlager wurde erst im Juli eingeweiht.

Medikamentenversorgung aus dem Großlager

Später besuchen wir das neue Medikamentenlager Dépôt Central Médico Pharmaceutice (DCMP) von Richard Neci. Das Gebäude wurde mit Eigenmitteln, unter anderem durch den Verkauf der Medikamente, bezahlt. Die Arzneimittel bezieht der Pharmazeut unter anderem aus Kenia und verkauft sie weiter an lokale Einrichtungen. In vielen Ländern Afrikas sind Arzneimittel minderer Qualität oder gänzlich ohne entsprechende Wirkstoffe im Umlauf. Daher werden alle eingehenden Medikamente mit Hilfe eines mobilen Labors, dem Minilab, auf ihre Wirksamkeit hin überprüft.

Minilab

Alle eingehenden Medikamente werden mit Hilfe eines Minilabs auf ihre Wirksamkeit hin überprüft.

„Nun bewerben wir uns um eine Akkreditierung als Apotheke von der Europäischen Union“, sagt Direktor Richard Neci, der im kommenden Jahr zu einer Tagung zur Pharmazeutischen Entwicklungszusammenarbeit ins Difäm kommen wird. „Im Juli 2016 werden wir hierzu evaluiert“. Die offizielle Anerkennung ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal für die Einrichtung unserer kongolesischen Partner.


Schöne Dinge wachsen inmitten der Dornen. (Sprichwort aus dem Kongo)

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Willkommen auf unserem Difäm-Blog!

Wie sieht eine Gesundheitsstation im Urwald von Innen aus? Wer kocht für die Patienten in Bukavu, wenn es keine Krankenhausküche gibt? Und wer bildet neue Ärzte und Pflegekräfte aus, wenn im Land selbst Gesundheitspersonal fehlt? Erfahrt im Difäm-Blog mehr über unsere Arbeit und das Leben in unseren Schwerpunktländern, wie der Demokratischen Republik Kongo, Liberia, Malawi oder dem Tschad. Kommt mit auf unsere Reisen.

Gemeinsam mit unseren lokalen Partnern und Partnerorganisationen versuchen wir die Gesundheitsversorgung vor Ort nachhaltig zu verbessern. Unsere Referentinnen und Referenten beraten, begleiten und unterstützen die Projektpartner bei der Planung und Durchführung der Gesundheitsprojekte.Unser gemeinsames Ziel ist es, vor allem benachteiligten Menschen in vernachlässigten Regionen und Ländern einen Zugang zur Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

Für einen engen Austausch mit unseren Partnern reisen unsere Referentinnen und Referenten regelmäßig in die Projekte. Hier berichten sie direkt aus den Ländern.

Viel Spaß beim Lesen!

Euer Difäm-Team

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