Beiträge mit dem Schlagwort: Geburt

In den Dörfern

dscf5859Die letzten zwei Tage verbrachten Ute und ich unterwegs in weiteren Dörfern. Wir besuchten mehrere Gesundheitseinrichtungen und führen dort Gespräche mit Frauen. Wir wollen erfahren, welche Erfahrungen sie während der Schwangerschaft und der Geburt gemacht haben. Zum anderen wollen wir ein genaueres Bild der Einrichtungen bekommen. Wir überprüfen, wie die Räumlichkeiten aussehen, wie die Apotheke ausgestattet ist und wie die Mitarbeitenden arbeiten. Die Einrichtungen ähneln der letzten, die wir besucht haben. Die Gebäude sind nicht gut in Schuss, es gibt wenige Medikamente und Instrumente.

Die Gespräche mit den Frauen sind spannend, aber oft auch bedrückend. Wir interviewen jeweils zwei Gruppen, einmal junge Frauen bis um die dreißig, und dann ein Gruppe mit älteren Frauen. Es sind viele Einzelgeschichten, manchmal einfacher, manchmal schwerfälliger erzählt.

dscf6113

Treffen mit den Frauen vom Dorf

Wir lassen alle Frauen aufschreiben, wie alt sie sind, wie viele Kinder sie auf die Welt gebracht haben und wie viele von ihnen noch am Leben sind. Es gibt, außer bei den ganz jungen Frauen, keine Frau, die noch kein Kind verloren hat. Die meisten haben um die acht Kinder bekommen und davon zwei bis drei verloren. Früher war es wohl deutlich schlimmer. Heute würden die Gesundheitszentren helfen, die Risiken zu reduzieren. Die jüngere Generation kommt ins Gesundheitszentrum, um ein Kind auf die Welt zu bringen, und wird dabei auch von ihren Müttern unterstützt. Auch die Vorsorge würde helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen. Und der Transport ins Distriktkrankenhaus nach Koyom scheint auch zu funktionieren. Nur in einem Dorf hören wir, dass eine Geburt im Gesundheitszentrum Schwäche bedeuten würde, und man deshalb daheim entbindet. Die Aussage wird gleich scharf in der Gruppe diskutiert, ist wohl keine allgemeine Meinung.dscf6300

Die Gespräche sind interessant, oft wird auch gelacht, obwohl das Thema nicht gerade lustig ist. Der Umgang der Mütter mit dem Tod ihrer Kinder ist beeindruckend, aber auch fremd. Die Realität ist hier einfach eine andere als bei mir zuhause.

dscf5741

In der Mittagshitze wird man müde

Advertisements
Kategorien: Tschad | Schlagwörter: , , , | Ein Kommentar

Kamelmilch und traditionelle Hebammen

Heute gehen wir an die Basis, in ein Dorf, wo die Arbeit stattfindet. Ich darf den großen Jeep fahren, und kämpfe mich durch die Schlaglöcher und den Sand zu einer Gesundheitseinrichtung in der Nähe von Koyom. Rosalie, die leitende Hebamme ist mit dabei, um zu übersetzen und uns den Weg zu zeigen. Der Leiter der Gesundheitseinrichtung, die Hilfshebamme und ein Apotheker von vor Ort erwarten uns schon. Zur Begrüßung gibt es heiße Kamelmilch mit viel Zucker, nicht wirklich erfrischend bei 35 Grad, aber dennoch lecker.dscf5783

Wir bekommen eine Führung durch die Einrichtung. Einrichtung ist vielleicht etwas übertrieben, das Gebäude besteht aus drei Zimmern. Einem Untersuchungsraum mit abgetrenntem Raum wo die Geburten stattfinden, ein kleines Lager für Medikamente von wo der Apotheker diese auch verkauft und einem Wartezimmer für Schwangere die mit Wehen kommen.

dscf5770

Das Wartezimmer

Das Wartezimmer ist völlig karg, es gibt nicht einmal ein Bett, nur eine Matte auf dem harten Boden. Der Untersuchungsraum besteht aus einem kleinen Tisch für den Leiter, ein labiles Krankenbett für die Untersuchungen, für die eigentliche Geburt gibt es einen Plastikstuhl. Auch in der Apotheke sieht es nicht viel besser aus, die wenigen Regale sind fast leer, es fehlt an allem.

dscf5878

Medikamentenlager der Apotheke

Die Mitarbeiter sind dennoch motiviert, berichten stolz von den über 250 Kindern die hier im letzten Jahr mit ihrer Unterstützung geboren wurden. Was ihnen am meisten fehlt sind grundlegende Dinge, Handschuhe für die Geburt, HIV-Schnelltests, einen weiteren Satz Instrumente (Schere, Zange usw.) falls zwei Frauen gleichzeitig entbinden.

dscf5775

Treffen mit den traditionellen Hebammen

Vor der Gesundheitseinrichtung hat sich mittlerweile eine kleine Gruppe zusammengefunden. Es sind alte Frauen, traditionelle Hebammen die im Dorf bei Geburten Unterstützung leisten. Sie haben nie eine Ausbildung bekommen, learning-by-doing, so hätten sie gearbeitet. Die Frauen erzählen uns, dass sie sich auch nie für den Beruf entschieden haben, Ihre Mütter haben schon bei Geburten geholfen, und von ihnen wurde erwartet die Aufgabe zu übernehmen. Sie berichten vom Wandel der letzten Jahre, sie haben schon lange keine Geburten mehr durchgeführt, die jungen Frauen würden alle in die Gesundheitseinrichtung kommen. Früher haben noch fast alle daheim entbunden. Sie sind ganz froh über die Entwicklung, sie waren selbst überfordert, konnten bei Problemen keine Hilfe leisten und wurden nie für ihre Arbeit entlohnt. Schwangere Frauen würden sich bei Fragen jetzt eher an die Animateure und die Hilfshebamme wenden, nicht mehr an sie.

Ute und ich sind froh über die Entwicklung, zu dem das Projekt sicher einen Beitrag geleistet hat. 

dscf5749

Jugaad im Tschad, der Krankenpfleger demonstriert seinen selbst gebauten Ventilator

Kategorien: Tschad | Schlagwörter: , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen auf WordPress.com.