Beiträge mit dem Schlagwort: Gesundheit

Pharmazeutische Projekte

Zu den pharmazeutischen Projekten des Difäm in Nkhoma, Malawi gehören das „Minilab“ und das Projekt „Strenghtening Pharmaceutical Management In Health Systems“.

Das „Minilab“ umfasst die Ausstattung der Projektpartner mit mobilen Minilaboren und die Schulung in deren Anwendung. Seit 2013 werden in Malawi Medikamente vom Schwarzmarkt, aber auch all jene untersucht, die das Nkhoma Krankenhaus ausgibt. Zu seinen Abnehmern zählen direkt Patienten in Nkhoma und indirekt zwölf kooperierende Health Clinics. Letzeres sind Kliniken, die Patienten in den umliegenden Dörfern vor Ort behandeln und mit Medikamenten versorgen. Das Difäm bildet Einheimische zu Fachkräften aus und stellt seinen Projektpartnern Lehrmaterialien zuzüglich sogenannter „Standards“, Produkte, mit denen die jeweiligen Medikamente in ihrer Struktur, Aussehen, Reaktion etc. verglichen werden, bereit. An jedem Ende vom Monat erstattet die Projektpartner dem Difäm über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen Bericht. Die Anzahl der monatlich untersuchten Medikamente in Malawi variiert zwischen 20 und 80 Stück. Frederik Kachiponde, der den Bachelor in Pharmazie abschloss und den pharmazeutischen Bereich im Nkhoma Krankenhaus leitet, sieht positive Entwicklungen in der Qualität von Medikamenten, da aufgrund der Arbeit des Difäm Vertreiber unwirksamer und falschdeklarierter Produkte enttarnt und vom Markt gedrängt werden konnten.

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Im Rahmen des Projektes „Strenghtening Pharmaceutical Management In Health Systems“ werden die oben genannten Health Clinics nach ihrem Management von Medikamenten untersucht und Mitarbeiter geschult. Die Lagerhaltung, Dokumentation und Ausgabe von medizinischen Produkten werden dabei beleuchtet und langfristig optimiert. Mitarbeiter der Health Clinics werden durch mehrtätige Fortbildungen sensibilisiert und trainiert. In einem daraus hervorgegangenen Forum tauschen sich die Health Clinics und das Nkhoma Hospital regelmäßig über den aktuellen Stand und mögliche Verbesserungsmaßnahmen ihrer Enrichtungen aus. Alle drei Monate erstattet Frederik Kachiponde dem Difäm Bericht und schreibt zudem diesem Projekt erhebliche Verbesserungen im Netzwerk des Nkhoma Krankenhauses zu.

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Das Mental Health Projekt

Einen Tag lang bekam ich Einblick in das vom DIFÄM und von meinem dualen Partner, der Lechler Stiftung unterstützen Projekt „Mental Health“. Der malawische Staat bezuschusst Projekte im Bereich psychischer Erkrankungen kaum. Umso wichtiger sind natürlich Spendengelder. Ca. 30 traditionelle Heilerinnen und Heiler aus der Umgebung folgten am Vormittag der Einladung ins Nkhoma Hospital und lernten das „Mental Health Project“ kennen. Mir wurde das Gesprochene freundlicherweise von Chichewa auf Englisch übersetzt. Paul, der Leiter dieses Projektes, stellte das Programm vor und begann mit einer Vorstellungsrunde. Einige Heilerinnen tragen den Namen Maria, unter anderem diejenige, dich ich bereits in meinem ersten Monat nahe Nkhoma besuchte. Das hängt zum einen mit dem biblischen Namen und der spirituellen Verbindung zusammen, aber auch damit, dass Schüler häufig den Namen ihres Lehrers annehmen. Paul fragte nach Krankheiten die traditionell behandelt (z.B. Schmerzen, Astma) und nicht behandelt werden (z.B. HIV, Krebs). Zudem klärte er über Gründe auf, die psychische Erkrankungen verursachen. Dazu zählen neben der legalen Droge Alkohol und der illegalen Cannabis auch einprägsame Ereignisse wie der Verlust seiner Eltern. Die traditionellen Heilerinnen und Heiler schienen dankbar über dieses Projekt und werden in Zukunft Patienten mit psychischen Erkrankungen zum Nkhoma Hospital senden. Für einen regelmäßigen Austausch und zur Beobachtung der Anzahl und Entwicklung von psychisch erkrankten Patienten soll zukünftig monatlich ein Treffen stattfinden. Der nächste Termin fällt auf den 27. Juli, bei dem ich hoffentlich wieder dabei sein werde.

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Am Nachmittag fuhr ich mit Chimwemwe und weiteren Mitarbeitern des Nkhoma Krankenhauses und des Mental Health Projekts nach Chimwayi, das nicht weit entfernt von Nkhoma liegt. Dort fand das erste Treffen einer Selbsthilfegruppe statt, zu dem zehn Männer erschienen. Nach einem anfänglichen Gebet und einer kurzen Vorstellung aller Anwesenden, klärte die Leitung über die Substanzen Alkohol und Cannabis auf, da diese die Männer in die Abhängigkeit brachten. Es wurden Gründe, Gefahren und mögliche körperliche und psychische Entwicklungen von Alkohol- und in kleinen Teilen auch von Cannabiskonsum besprochen aber auch persönliche Erfahrungen ausgetauscht. Vor allem das günstige, in den Dörfern aus Mais gebraute „local beer“ namens Kachasu beherbergt mit einem prozentualen Alkoholanteil von 50 das größte Problempotenzial. Um herauszufinden wie viel Alkohol wöchentlich höchstens konsumiert werden sollte wird folgendermaßen vorgegangen: (Anzahl der Milliliter multipliziert mit dem prozentualen Alkoholgehalt) geteilt durch 1000. Setzt man die Werte für das Bier Karlsberg ein (330ml; 4,7%), das in Malawi gebraut wird aber nicht mit dem „local beer“ verwechselt werden sollte, erhält man 1,6 Units. Männer sollten höchstens 21 (entsprechen ca. 13 Karlsberg), Frauen 16 Units (entsprechen 10 Karlsberg) wöchentlich an Alkohol zu sich nehmen. Demnach wird der Selbsthilfegruppe zu einem verantwortungsvollen Konsumverhalten und zu keinem zwingenden Konsumstop geraten. Acht insgesamt, aber nur vier von den Anwesenden, machten erfolgreich eine Therapie in Mzuzu von der Dauer eines Monats. Das DIFÄM und die Lechler Stiftung finanzierten diese beispielsweise. Die zwei Männer mit denen ich sprach, trinken seitdem keinen einzigen Schluck mehr Alkohol und sagen selbst, ihr Leben nun in den Griff bekommen zu haben. Ein regelmäßiges Treffen soll nun alle zwei Wochen stattfinden, an denen ich sehr gerne teilnehmen und die Entwicklung beobachten möchte.

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Der zweite Monat: im Norden Malawis, traditionelle Tänze, PB+J

Ein verlängertes Wochenende, das sieben Tage an der Zahl umfasste, verbrachte ich mit Patricia, Susan und ihrem dreijährigen Sohn im Norden Malawis. Während Susan Freunde in Mzuzu besuchte, kamen Patricia und ich nach einigen Stunden abenteuerlichen Fahrt im Minibus in Nkhata Bay an. In der Mayoka Village, die aus mehreren Lodges direkt am Malawisee besteht, ließen wir es uns gut gehen. Wir lasen, schwammen, schnorchelten, stehpaddelten, fuhren bei Sonnenuntergang Kanu, schlugen uns die Bäuche mit Köstlichkeiten voll und gingen auf den Markt. Nach drei Tagen besuchten Susan und ich Freunden von ihr in Kazungu bzw. in dem kleine Dorf Kapaizi, das seit kurzem Elektrizität hat. Dort schliefen wir in einer etwas besseren Hütte, die aber keine gewohnte Dusche und Toilette besitzt. Wir duschten indem wir uns mit einem Gemisch aus gekochtem und kaltem Wasser übergossen und die Toilette bestand aus einem Loch in einer kleinen Hütte im Garten. Für mich war es in einer positiven Weise sehr erfahrungsbringend in den aus westlicher Sicht ärmlichen Verhältnisse zu leben.

Christopher, einer seiner Freunde, Patricia und ich besuchten das Denkmal des ersten Präsidenten Kamuzu Banda, der auch aus der Nähe Kazungus stammt und erfuhren von seiner Geschichte. Er trug wesentlich zur Unabhängigkeit Malawis bei, starb 1997 in Südafrika und was ich sehr oft erwähne: er war wie ich Vegetarier und damit der einzige, den ich bislang in Malawi kennen lernte. Im Anschluss sahen wir uns traditionelle Tänze zu Trommelmusik in Lilongwe an. Die Gruppe zeigte dabei Tänze wie Beni, Masewe und Kalumbwana aus verschiedenen Regionen Malawis. Da auch ich sehr gerne tanze, organisierte ich einen der Tänzer und Trommler aus der Gruppe, die nach Nkhoma kamen und einigen Studenten und mir diese Tänze im Rahmen einer Tanzstunde beibrachten. Es war zwar anstrengend aber machte auch unglaublich viel Spaß. Es gilt zu beachten, dass nicht alle Tänze mit dem Christentum vereinbar sind und diese deshalb nicht in Nkhoma aufgeführt werden dürfen. Deshalb sicherte ich mich mit den oben genannten Tänzen im Voraus ab.

Einen Vormittag durfte ich mit der NPO/ NGO Peanut butter and Jesus, kurz PB+J verbringen und ihre Arbeit kenne lernen. Während der Fahrt mit neun Malawiern konnte ich als einzige Mzungu die malawische Landschaft bestaunen und den verdutzt dreinschauenden Malawiern von der Ladefläche des Pick Up aus zuwinken. Am Health Center in Chimbalanga angekommen verteilten wir die Aufgaben. Ich half beim Erfassen des Gewichtes und der Größe von Kleinkindern während andere den Armumfang maßen. Glückicherweise war nur eines der Kinder unterernährt, was eine positive und erfreuliche Entwicklung als Resultat der Arbeit von PB+J darstellt. Dieses Kind aber auch weitere schmächtige Babys wurden vor Ort mit Erdnussbutter, die in Nkhoma von PB+J produziert wird, von ihrer Mutter gefüttert. Anschließend besuchten wir zwei Primary Schools, für die PB+J ein Fußballturnier organisiert. Als ich mein Smartphone rausholte um Bilder zu schießen, kamen die Schüler in verratzten Schuluniformen und löchrigen Klamotten angestürmt und winkten begeistert in die Selfiekamera, in der sie sich selbst sehen konnten. Natürlich bekam ich auch ein schlechtes Gewissen. Mit solcher Armut haben wir in Deutschland nicht zu kämpfen und deshalb sollten wir uns immer vor Augen führen, wie gut es uns doch eigentlich geht.

Mein Vorhaben, etwas typisch Deutsches zu kochen, setzte ich in die Tat um. Nachdem ich schon für Esther und ihre Familie Milchreis machte, bereitete ich diesmal für Christopher und seine Familie mit den hier erhältlichen Zutaten Kässpätzle zu. Ich freue mich ihnen dadurch meine Kultur näher bringen zu können und darüber, dass meine Kochkünste bislang auf positive Resonanz stießen.

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von Nkhoma nach Ntchisi

Der Sonntag ging früh los. Um 7.30 Uhr saßen wir beim englischsprachigen Gottesdienst in der Kirche. Draußen regnete es in Strömen. Der Pfarrer begrüßte die Gemeinde mit „Hello church“. Denisa und Bernhard, zwei der Studierenden, sangen im Kirchenchor mit. Überhaupt war der Gottesdienst sehr musikalisch, insgesamt sangen vier Chöre. Weil ich zum ersten Mal hier im Gottesdienst war, durfte ich nach vorne kommen und wurde vom Pfarrer und den Besuchern aus der ersten Reihe mit Handschlag begrüßt. Pünktlich zum Ende des Gottesdienstes hatte es aufgehört zu regnen, so dass Beate und ich bergauf in Richtung Nkhoma Mountain spazieren konnten. Es war schwül-heiß, die Sonne brannte.P1050730Kaum hatten wir das Dorf hinter uns gelassen, wurde die Schar der Kinder um uns herum immer größer. Jungen, die Ziegen hüteten und Mädchen, die eigentlich zum Wasser holen geschickt worden waren, begleiteten uns. Rechts des schmalen Pfades war Gestrüpp, in dem Ziegen weideten, links zogen sich Maisfelder den Hang hinauf, in denen immer mal wieder kleine runde Hütten standen. P1060558Manche Hütten sind so klein, dass man sich kaum vorstellen kann, wie eine ganze Familie darin Platz finden soll. Einer der Jungen erzählte uns, er wohne dort mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder. Klar spielt sich das Leben hier überwiegend im Freien ab, in der Regenzeit kann es aber durchaus auch mal stundenlang sehr heftig regnen, wie wir an diesem Morgen selbst erlebt hatten.

Wir hatten viel Spaß mit den Kindern, pfiffen auf Grashalmen – wobei in Malawi eine andere Technik angewendet wird, als die mir aus Deutschland bekannte. Die Kinder wollten immer wieder fotografiert werden und auch kleine Filmchen begeisterten alle. Zurück in Nkhoma hatte Esther ein leckeres Mittagessen für uns gekocht. Es gab gelben Reis, dicke Bohnen in Soße, Hühnchen und grüne Bohnen mit Karotten.

DSC_1500Um 13 Uhr holte uns dann Patrick, der Fahrer des Hospitals mit einem Geländewagen ab. Neben Beate und mir fanden Esther und die fünf Studierenden Denisa, Bernhard, Pablo, Rebekka und Simona Platz im Auto. In Lilongwe sollte noch Martin Thondolo, der Koordinator der ASSET-Projekte zusteigen. Gemeinsam fuhren wir nach Ntchisi, das etwa drei Stunden nördlich von Nkhoma liegt, um die dortigen Projekte zu besuchen. Unterwegs kamen uns immer wieder Autos entgegen, an deren Außenspiegeln Fische hingen. Einleuchtende Erklärung: Wenn man Fische vom Lake Malawi im Auto in die Stadt transportiert, dann stinkt das. DSC_1502Hinter Lilongwe verkauften Menschen Körbe mit schwarzem Inhalt. Ich hielt das anfangs für Bohnen, wurde aber eines besseren belehrt: es waren große Ameisen. In der Pfanne getrocknet und leicht gesalzen sind sie laut unseren malawischen Begleitern ein sehr leckerer Snack.

Am frühen Abend in Ntchisi angekommen wurden wir zur Tuneza Lodge gebracht, unserer Unterkunft für die nächsten drei Tage. Kurios war hier die Nummerierung der Zimmer. Scheinbar willkürlich waren die Nummern vergeben worden, die Nummer 18 lag neben der 86, dann folgte die 92. Als wir ankamen, war Stromausfall, was häufiger vorkommt in Malawi. Was klang wie ein rauschender Bach in der Nähe stellte sich als Regen heraus, der wenig später auch unsere Lodge erreicht hatte. Am nächsten Tag würden wir auf unbefestigten Straßen in einige abgelegenen Dörfern fahren. Wir waren alle sehr gespannt, wie diese Pisten nach dem heftigen Regen des heutigen Tages aussehen würden.

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Malawi – „The warm heart of Africa“

 

p1060562-e1490258280970.jpgGemeinsam mit meiner für die Projekte in Malawi zuständigen Kollegin Dr. Beate Jakob und fünf Medizinstudierenden von StuDifäm aus Tübingen bin ich in Malawi unterwegs. Wir besuchen im Ntchisi District und rund um den Ort Nkhoma Kliniken, Gesundheitszentren, Village Clinics und Dörfer, die eine Verbindung haben zu den ASSET-Projekten (Anerkennen, Stimulieren, Stärken, Einbeziehen, Transformieren). Entdecken Sie mit uns das „warme Herz Afrikas“.
Um vom Süden Deutschlands nach Malawi zu kommen ist man einen ganzen Tag unterwegs. Schon bei den Sicherheitshinweisen im Flugzeug merkt man, dass der Flug nach Afrika geht: unmissverständlich ist der Hinweis, dass man sich im Flugzeug auf gar keinen Fall in den Gang legen darf. Wie sich während der Reise zeigen sollte, finden Menschen in Afrika wirklich überall ein Plätzchen zum Schlafen.

Fliegt man von Südafrika auf die malawische Hauptstadt Lilongwe zu, fällt einem auf, dass das kleine Land sehr dicht besiedelt ist. Von oben wirkt es, als sei wirklich jeder Quadratmeter landwirtschaftlich genutzt. Immer wieder sieht man kleine Hütten oder Dörfer inmitten der Felder. Was auch auffällt ist, dass es in Malawi eigentlich keinen Wald gibt und überhaupt sehr wenige Bäume wachsen. Auf der gut einstündigen Fahrt vom Flughafen Lilongwe Richtung Süden in den Ort Nkhoma passiert man unzählige Menschen, die am Straßenrand Holzkohle oder Brennholz verkaufen oder dieses auf abenteuerlich beladenen Fahrrädern oder auf dem Kopf transportieren. Und man fährt an riesigen Transparenten vorbei, auf denen Präsident Mutharika dazu aufruft, jeder Einwohner Malawis möge pro Jahr mindestens einen Baum pflanzen. Jetzt in der Regenzeit ist alles sehr grün und fruchtbar, es braucht aber nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, wie das Land aussieht, wenn die Ernte vorüber und die Landschaft sich während der Trockenzeit in eine staubige Einöde ohne Schatten spendende Bäume verwandelt.P1070195 Weiterlesen

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Unterricht

Unser vorletzter Tag beginnt. Heute werden wir drei Animateure bei ihrer Arbeit begleiten. Mich interessiert, wie sie genau arbeiten, sie in Aktion zu erleben, wenn sie zusammen mit den Hebammen in die Dörfer fahren und die Menschen zu verschiedenen Themen aufklären. Im Mittelpunkt steht die Gesundheit während der Schwangerschaft, aber auch allgemeine Hygiene, Prävention von HIV und Tuberkulose und die Familienplanung werden angesprochen. Ihre drei Veranstaltungen stellen sich als sehr unterschiedlich heraus.dscf6208

Das erste Treffen findet in einer Kirche statt, nach und nach finden sich um die fünfzig Frauen mit vielen Kindern ein. Der Animateur klärt auf zum Thema Hygiene, mithilfe eines bebilderten DIN-A4 Heftes. Er steht meist vorne, klarer Frontalunterricht, für Fragen gibt es erst am Ende Zeit. Die Hilfshebamme und ein Krankpfleger sind auch mit dabei, sie führen am Ende noch Untersuchungen durch und impfen die Frauen.

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Hebamme bei der Untersuchung

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Bereit zum impfen?

Die zweite Veranstaltung findet in einem anderen Dorf findet auf dem Dorfplatz statt, direkt neben dem Markt. Als wir ankommen, sehen wir schon eine große Gruppe von Leuten, sicher über hundert. dscf6286Es ist eine riesige HIFI-Anlage aufgebaut, es läuft ohrenbetäubend laut Musik, wir werden begrüßt und vorgestellt. Die Sensibilisierung findet hier in mehreren Sprachen statt, über Mikrofone, alles ist sehr laut und für die Zuhörer sichtlich unterhaltend. Hier sind auch Männer und ältere Kinder, die dem Animateur zuhören.

Die letzte Veranstaltung ist in einem sehr kleinen Dorf. Wir fahren eine halbe Stunde einem Trampelpfad nach, um es zu erreichen.

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Unterwegs zur letzten Station

In der Mitte des Dorfes wächst ein großer Baum, darunter ist das ganze Dorf versammelt. Es ist schon Nachmittag, der Animateur ist fertig mit seinem Vortrag, aber alle sind geblieben, um uns zu sehen und zu begrüßen. Hier habe ich den Eindruck, dass die Botschaft des Animateurs wirklich alle erreicht.dscf6368

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Kamelmilch und traditionelle Hebammen

Heute gehen wir an die Basis, in ein Dorf, wo die Arbeit stattfindet. Ich darf den großen Jeep fahren, und kämpfe mich durch die Schlaglöcher und den Sand zu einer Gesundheitseinrichtung in der Nähe von Koyom. Rosalie, die leitende Hebamme ist mit dabei, um zu übersetzen und uns den Weg zu zeigen. Der Leiter der Gesundheitseinrichtung, die Hilfshebamme und ein Apotheker von vor Ort erwarten uns schon. Zur Begrüßung gibt es heiße Kamelmilch mit viel Zucker, nicht wirklich erfrischend bei 35 Grad, aber dennoch lecker.dscf5783

Wir bekommen eine Führung durch die Einrichtung. Einrichtung ist vielleicht etwas übertrieben, das Gebäude besteht aus drei Zimmern. Einem Untersuchungsraum mit abgetrenntem Raum wo die Geburten stattfinden, ein kleines Lager für Medikamente von wo der Apotheker diese auch verkauft und einem Wartezimmer für Schwangere die mit Wehen kommen.

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Das Wartezimmer

Das Wartezimmer ist völlig karg, es gibt nicht einmal ein Bett, nur eine Matte auf dem harten Boden. Der Untersuchungsraum besteht aus einem kleinen Tisch für den Leiter, ein labiles Krankenbett für die Untersuchungen, für die eigentliche Geburt gibt es einen Plastikstuhl. Auch in der Apotheke sieht es nicht viel besser aus, die wenigen Regale sind fast leer, es fehlt an allem.

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Medikamentenlager der Apotheke

Die Mitarbeiter sind dennoch motiviert, berichten stolz von den über 250 Kindern die hier im letzten Jahr mit ihrer Unterstützung geboren wurden. Was ihnen am meisten fehlt sind grundlegende Dinge, Handschuhe für die Geburt, HIV-Schnelltests, einen weiteren Satz Instrumente (Schere, Zange usw.) falls zwei Frauen gleichzeitig entbinden.

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Treffen mit den traditionellen Hebammen

Vor der Gesundheitseinrichtung hat sich mittlerweile eine kleine Gruppe zusammengefunden. Es sind alte Frauen, traditionelle Hebammen die im Dorf bei Geburten Unterstützung leisten. Sie haben nie eine Ausbildung bekommen, learning-by-doing, so hätten sie gearbeitet. Die Frauen erzählen uns, dass sie sich auch nie für den Beruf entschieden haben, Ihre Mütter haben schon bei Geburten geholfen, und von ihnen wurde erwartet die Aufgabe zu übernehmen. Sie berichten vom Wandel der letzten Jahre, sie haben schon lange keine Geburten mehr durchgeführt, die jungen Frauen würden alle in die Gesundheitseinrichtung kommen. Früher haben noch fast alle daheim entbunden. Sie sind ganz froh über die Entwicklung, sie waren selbst überfordert, konnten bei Problemen keine Hilfe leisten und wurden nie für ihre Arbeit entlohnt. Schwangere Frauen würden sich bei Fragen jetzt eher an die Animateure und die Hilfshebamme wenden, nicht mehr an sie.

Ute und ich sind froh über die Entwicklung, zu dem das Projekt sicher einen Beitrag geleistet hat. 

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Jugaad im Tschad, der Krankenpfleger demonstriert seinen selbst gebauten Ventilator

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Landeanflug

Ich sitze im Flugzeug auf dem Weg nach N’Djamena, der Hauptstadt des Tschads. Mir fällt auf das fast keine Afrikaner im Flugzeug sind. Die meisten Passagiere sind Männer zwischen 20-40, muskulös mit Bürstenschnitt, amerikanischen Militärs. Der Tschad hat sich in den letzten Jahren zu einem Hauptakteur im Kampf gegen Boko Haram etabliert und schickt Einsatztruppen nach Nigeria und Mali. Militärausgaben sind etwa 4x so hoch wie Ausgaben für Bildung. Auch für die Gesundheitsversorgung bleibt oft kein Geld übrig. Was mich zurück zu den schwangeren Frauen führt, denen unser Projekt helfen soll.

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Die junge Frau hat erst vor wenigen Stunden ihr erstes Kind zur Welt gebracht

Zum ersten Mal schwanger wird man meist als Teenager, mit 30 haben viele Frauen schon acht Geburten hinter sich. Es gibt kaum Quellen, um an Tipps und Hilfe zu kommen. Aus diesem Grund wurden vom Difäm so genannte Animateure ausgebildet, die den weiten Weg in die Dörfer zu Fuß oder mit dem Fahrrad aufnehmen, um Weiterbildungen zu gesundheitlichen Themen rund um sichere Schwangerschaft und Geburt anzubieten. Die Frauen erfahren was mit ihnen in der Schwangerschaft geschieht, wo sie sich Hilfe suchen können und dass sie auf jeden Fall für die Entbindung ins Gesundheitszentrum kommen sollen. Hilfshebammen (Matrones) begleiten die Animateure und führen Vorsorgeuntersuchungen in den weit entfernten Dörfern durch. Für die Schwangeren ist das oft die einzige Möglichkeit sich untersuchen zu lassen.

fensterbildFür die Frauen, die zur Geburt in ein Gesundheitszentrum kommen, werden die Kosten der Geburt übernommen. Bei Kaiserschnitten erhält das Gesundheitszentrum eine Prämie, um auch diesen kostenlos anbieten zu können. Bei Notfällen und Frühgeburten ist unser Partnerkrankenhaus in Koyom mit einem Fahrzeug für die Evakuierung ausgestattet worden.

 

Wir landen nachts, es gibt nicht viel zu sehen. Es ist heiß und es liegt eine Art Nebel in der Luft. Rauch von den Küchen, denn die über eine Million Einwohner kochen überwiegen noch mit Holz.

Ein Arzt aus Koyom holt uns am Flugafen ab und bringt uns zum Hotel. Wir sollen schlafen, das Programm am nächsten Tag geht früh los und am Nachmittag steht die Fahrt nach Koyom an.

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