Beiträge mit dem Schlagwort: Gesundheitsversorgung

Aufbau von Gesundheitseinrichtungen

Donnerstag, 14. August 2015 – Das „Centre Hospitalier Kakwende“ liegt rund 70 Kilometer von Bukavu entfernt. Das Krankenhaus wird von der Kirche 5é CELPA getragen, eine Mitgliedskirche der Eglise du Christ au Congo (ECC). Es wurde vor 50 Jahren durch eine norwegische Mission erbaut und von dort aus lange unterstützt. Wir sind auf dem Weg nach Kakwende, um die Fortschritte der Renovierungsarbeiten am Krankenhaus Kakwende und am nahegelegenen Gesundheitszentrum Burhuza zu überprüfen. Der Bau wird von unseren Partnern im Koordinationsbüro der medizinischen Arbeit der evangelischen Kirchen geleitet.

Reisfeld

Die Region Süd-Kivu ist sehr fruchtbar

In der Stadt begegnen uns die Land Rover bekannter Nichtregierungsorganisationen wie Caritas International, Ärzte ohne Grenzen, World Food Programm, Oxfam, Unicef, Rotes Kreuz und sogar WWF. Dann fahren wir raus aus der Stadt. Auf löchrigen und staubigen Wegen fahren wir etwa drei Stunden. Vorbei an Tee- und Bananenplantagen, Reisfeldern und durch  kleine Dörfer. Schwer beladene kommen Frauen kommen uns von den Feldern oder einem Markt entgegen. Sie balancieren Brennhölzer, gelbe Wasserkanister oder Säcke voll mit Maniok oder Reis auf dem Rücken oder dem Kopf. Wir passieren drei Straßensperren, an denen ich schnell meine Kamera verstecke. Fotografieren ist in der DR Kongo nur mit Akkreditierung und offizieller Genehmigung erlaubt. Auf der Straße kann es passieren, dass einem Soldaten, Paramilitärs, Polizisten, Security-Mitarbeiter oder Passanten, die sich als erstere ausgeben, die Kamera bestenfalls abnehmen und Strafgeld kassieren.

Im Einzugsbereich des 60-Betten-Krankenhauses in Kakwende leben fast 60.000 Menschen. 30 Mitarbeitende kümmern sich um die Patienten. Ein Schwerpunkt im Krankenhaus ist die Geburtshilfe: Pro Monat gibt es etwa 110 Geburten, 30 davon per Kaiserschnitt. Trotzdem hat das Krankenhaus nur ein altes Entbindungsbett.

Maternity Waiting Home

Im Maternity Waiting Home, ein Wartehaus für Schwangere am Krankenhaus von Kakwende, warten derzeit 41 Frauen auf die Geburt.

Um zur Entbindung ins Krankenhaus zu kommen, müssen viele hochschwangere Frauen lange Fußmärsche über unwegsames Gelände auf sich nehmen- Deshalb gibt es hier ein „Maternity Waiting Home“. Hier können die Frauen kurz vor dem Geburtstermin kommen und das Einsetzen der Geburt abzuwarten.

Bei der offiziellen Einweihung lernen wir auch ein Missionarsehepaar aus Norwegen kennen, die mit der 5è CELPA zusammen arbeiten. Dr. Jean-Claude Nabagere, medizinischer Koordinator dieser Kirche, führt uns nach der feierlichen Zeremonie gemeinsam durch den neuen Anbau: Ein Röntgen- und ein Aufwachraum nach Operationen. Nun fehlen nur noch die Einrichtungsgegenstände.

Krankenhaus

Eins der neuen Gebäude im Gesundheitszentrum, das mit der Unterstützung des Difäm fertig gestellt wurde

„Jedes Kind ist ein Zeichen der Hoffnung für diese Welt.“ – Aus Kamerun

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Stimme der vergessenen Frauen

Mittwoch, 13. August 2015 – Als wir früh um 7 Uhr zum Panzi-Krankenhaus aufbrechen, haben wir knapp 17 Grad. Auch tagsüber bleibt es in dieser Region meist unter 28 Grad. Je weiter wir fahren, desto mehr verändert sich das Stadtbild: Der Weg ist nicht mehr geteert, die Gegend wirkt ärmlicher. Die Unterkünfte bestehen nicht mehr aus Ziegel und bunt bemalten Fassaden, sondern aus Brettern und Wellblechen. Riesige Wohnviertel versinken im Staub der Straßen. Immer wieder tauchen am Straßenrand Plakate mit Aufrufen auf: „Gemeinsam gegen Gewalt“, „Nein zu sexueller Gewalt!“.

Panzi Schild

Das Panzi-Krankenhaus der evangelischen Kirche CEPAC in Bukavu

Das Universitätskrankenhaus Panzi liegt etwa eine halbe Stunde entfernt: Acht Kilometer hinauf in die Berge oberhalb von Bukavu. Es ist eines der 31 Krankenhäuser, für die der Kirchenverbund Eglise du Christ au Congo (ECC) – und damit auch das Koordinationsbüro für die medizinische Arbeit der Kirchen – zuständig ist.

Als wir ankommen, beginnt gerade die Morgenandacht. Um einen Innenhof herum sitzen und stehen Mädchen und ältere Frauen in bunten Gewändern sowie vereinzelte Männer. Manche Frauen wirken in sich gekehrt, seltsam bedrückt, aber alle verfolgen aufmerksam die Predigt. Die meisten der Anwesenden sind Patienten in dem evangelischen Krankenhaus, unter ihnen Frauen und Kinder, die Vergewaltigung und andere schlimmste Formen sexueller Gewalt erlebt haben. Wieder werden wir als Gäste vorgestellt.

Panzi

Einer der Innenhöfe des Krankenhaus-Komplexes.

Als der Pastor am Schluss zu beten anfängt, stehen alle auf: Die Frauen beten laut vor sich hin; jede für sich, aber dennoch als Teil der Gemeinschaft. In dieser Stimmung bekomme ich eine Ahnung von dem Leben hinter der Kulisse dieser friedlich wirkenden Stadt. Die Gründe, warum wir nach Einbruch der Dunkelheit unseren Compound nicht mehr verlassen sollen, warum die Häuser in unserem Viertel mit hohen Mauern und Stacheldraht gesichert sind, warum wir einige Wege nur mit unserem Fahrer zurücklegen sollen.

Oft kommen neue Fälle von Misshandlungen ins Panzi-Krankenhaus. Trotz Friedensprojekte, Ansätze zur Täterverfolgung und über 18.000 im Kivu stationierte UN-Soldaten, hat die Gewalt gegen Frauen und Mädchen in manchen Gegenden kaum abgenommen. Oft haben die Betroffenen einen taglangen Fußmarsch hinter sich, bevor sie an dem hohen Eisentor ankommen. Diejenigen, die es ins Hospital in Panzi schaffen, haben Hoffnung. Der Mitgründer und Chefarzt, Dr. Denis Mukwege, und seine Mitarbeiter betreuen jährlich rund 3.000 Vergewaltigungsopfer medizinisch und sammeln dabei Erfahrungen in der Behandlung gravierender, gynäkologischer Verletzungen und Komplikationen. Die Frauen leiden neben ihrer Traumata an Fisteln, Gebärmuttervorfall oder zerstörtem Beckenboden. Neben der rekonstruktiven Chirurgie erhalten sie psycho-soziale, aber auch juristische Hilfe und ökonomische Beratung. Patientinnen, die sich die Behandlung nicht leisten können, werden umsonst behandelt.

Dr. Mukwege

Gabi Hettler und Denis Mukwege bei der Übergabe der medizinischen Instrumente für die Gynäkologie des Krankenhauses.

Nach der Andacht treffen wir Denis Mukwege. Er freut sich über die Box mit den medizinischen Instrumenten, die wir ihm übereichen. Seit 16 Jahren hilft der Gynäkologe den Frauen und Kindern im Ost-Kongo. Mittlerweile arbeiten über 200 Spezialisten und auszubildende Mediziner mit ihm zusammen. Ihm ist wichtig, die jungen Mediziner zu motivieren, in ihrer Heimat im Kongo zu bleiben und zu arbeiten, wo sie gebraucht werden. Auch er selbst kam zurück aus dem Exil, nachdem er vor fast 3 Jahren in seinem Zuhause einen Überfall nur knapp überlebte. Weil er die Zustände in seinem Land verbessern möchte. Seither wohnt er mit seiner Familie auf dem Gelände des Krankenhauses. Trotz Drohungen spricht er auf der ganzen Welt – vor den Vereinten Nationen und der Europäischen Union – über die Verbrechen in seiner Heimat und schafft ein Bewusstsein für die schweren, andauernden Folgen für Mädchen und Frauen. Hierfür wurde er unter anderem mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt.

Als wir über das große Gelände des Krankenhauses, vorbei an Operationssälen, durch die Frühchen-Station sowie Dialyse- und Laborräume geführt werden, kommen wir auch im Trakt der Frauen vorbei. Sie sitzen auf ihren Betten, im Garten oder auf Holzbänken im Gemeinschaftsraum. Viele von ihnen haben alles verloren. Aber die Versorgung im Krankenhaus und ihr Glaube geben ihnen Kraft und Mut, weiterzumachen.

Am Ende unseres Aufenthalts besuchen wir noch Madelaine, die Ehefrau von Denis Mukwege, die uns herzlich für Samstag zum Essen einlädt.

Frühchen

Auf der Frühchenstation im Panzi-Hospital. Nur wenige kongolesische Frauen übernehmen, zum Teil aus kulturellen Gründen, die Känguru-Methode und tragen das Neugeborene an der Brust.

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Gesundheitsversorgung in einer Krisenregion

Von oben sieht die Provinzhauptstadt aus wie eine Hand mit fünf Fingern. Die Finger sind Landzungen, die sich in den Kivu-See strecken.

Von oben sieht die Provinzhauptstadt aus wie eine Hand mit fünf Fingern. Die Finger sind Landzungen, die sich in den Kivu-See strecken.

Montag, 10. August 2015 – Bukavu ist eine quirlige, bunte und laute Stadt. Überall sind Menschen unterwegs – zu Fuß, auf Rollern oder im Auto. Vor großen Werbeplakaten und bunten Hausfassaden sind kleine Stände und vereinzelte Märkte aufgebaut, auf denen sich unzählige Menschen tummeln. Offiziell leben hier rund 750.000 Menschen. Inoffiziell wird die Einwohnerzahl auf 1 Million geschätzt. Auch wirkt die Stadt friedlich. Nur die UN-Fahrzeuge und die kongolesischen Militärs, die ab und an ihre Laufrunden durch die Stadt drehen, erinnern an eine gewisse Instabilität und Unsicherheit in der Region. Plünderung, Rebellenarmee, systematische Vergewaltigungen und Kindersoldaten scheinen hier im alltäglichen Trubel der Stadt wie Begriffe aus einer anderen Welt.

Hausfassade

Große Werbeplakate, bunte Hausfassaden und Blumen zieren das Stadtbild von Bukavu.

(Mehr über die geschichtlichen und aktuellen Hintergründe der Konflikte im Ost-Kongo erfahrt Ihr im Artikel des Journalisten Dominik Johnson in der aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift ‚Gesundheit in der Einen Welt‘)


Medizinische Arbeit der Kirchen

Nach einem offiziellen Besuch beim Vizepräsidenten der Dachorganisation evangelischer Kirchen (ECC) sind wir heute zu einer Besprechung im Büro unserer Partner Dr. Nicolas Mihuhi und Bujiriri Chokola eingeladen. Von ihrem Büro in Bukavu aus koordinieren und leiten sie die kirchlichen Gesundheitsdienste und medizinische Arbeit der Mitgliedskirchen der ECC in der Region Süd Kivu. Nach wie vor wird die Gesundheitsversorgung im Ost-Kongo bis zu 70 Prozent von kirchlichen Trägern wahrgenommen. Daher ist die medizinische Arbeit der ECC für die Basisversorgung der über 4.6 Millionen Menschen in der Region eine wichtige Ergänzung zu staatlichen Gesundheitsstrukturen.

DOM

Der Leiter des Koordinationsbüros, Dr. Mihuhi, sein Mitarbeiter Bujiriri sowie der Statistiker des Koordinationsbüros geben uns bei dem Treffen einen Einblick in ihre derzeitige Arbeit.

Auf der Grundlage einer Datenerhebung und Situationsanalyse nimmt das Koordinationsbüro (Département des Œuvres Médicales – DOM) Supervisionen in den Gesundheitseinrichtungen wahr: Was gibt es an Personal, haben die Mitarbeitenden die notwendige Ausbildung, welche Tätigkeiten üben sie aus, welchen Zustand haben die Gebäude, wo stehen wir in Bezug auf die Ausstattung der Einrichtung – und wo gibt es Verbesserungsbedarf? Das Koordinationsteam berät und unterstützt die jeweiligen Einrichtungen bei der Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen.  Daneben ist das Team für den Wiederaufbau zerstörter Gebäude, die Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals und die Versorgung mit essentiellen Medikamenten und Verbrauchsmaterialien verantwortlich. Immer noch gibt es Zeiten, in denen bestimmte Medikamente nicht vorhanden sind. Auch die Finanzierung der laufenden medizinischen Versorgung ist ein wichtiges Thema.


Pilotprojekt zur Qualitätssicherung

Nun soll in einigen Einrichtungen ein Pilotprojekt zur Qualitätssicherung und Konfliktmanagement eingeführt werden. „Hierfür dokumentieren wir die Abläufe in einem Krankenhaus vom Empfang eines Patienten bis zu seiner Entlassung, von der OP-Vorbereitung über die Durchführung der Visite bis hin zur Bestellung von Medikamenten“, erklärt eine deutsche Mitarbeiterin des Büros. Anschließend sollen Standards für die Arbeitsabläufe eingeführt werden. Konflikte und Ineffizienzen entstehen bereits, wenn der behandelnde Arzt vor seiner Untersuchung erstmal das Blutdruckmessgerät suchen muss oder sich die Mediziner über das richtige Medikament einigen müssen. Da es meist keine Krankenversicherung und selten staatliche Zuschüsse gibt, müssen sich viele Krankenhäuser über die Patientengebühren selbst finanzieren. Doch wenn das Medikament oder die Behandlung zu teuer ist, kommen die Patienten nicht ins Krankenhaus. So ist jede Behandlung eine Gradwanderung und die Mediziner müssen oft selbst entscheiden, was sie anbieten und in Rechnung stellen.

Das Difäm unterstützt die medizinische Koordination der ECC seit mehr als zehn Jahren mit Workshops, Beratung und finanziellen Hilfen. Die Difäm-Arzneimittelhilfe hat den Gesundheitseinrichtungen in den vergangenen Jahren immer wieder Medikamente und HIV-Tests zur Verfügung gestellt. Seit 2012 wird das Projekt durch Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst finanziell unterstützt.

Ein weiteres Thema, das zur Sprache kommt, ist die kostenfreie medizinische Versorgung von Flüchtlingen aus dem Nachbarstaat Burundi. Einige Gesundheitseinrichtungen in der Region nahe der Grenze haben durch die Bereitstellung von Behandlung und Medikamenten Schulden gemacht, die sie nun nicht zurückzahlen können. Noch ist nicht geklärt, wer die Kosten dafür tragen wird.

Apotheke

Das riesige Medikamentenlager wurde erst im Juli eingeweiht.

Medikamentenversorgung aus dem Großlager

Später besuchen wir das neue Medikamentenlager Dépôt Central Médico Pharmaceutice (DCMP) von Richard Neci. Das Gebäude wurde mit Eigenmitteln, unter anderem durch den Verkauf der Medikamente, bezahlt. Die Arzneimittel bezieht der Pharmazeut unter anderem aus Kenia und verkauft sie weiter an lokale Einrichtungen. In vielen Ländern Afrikas sind Arzneimittel minderer Qualität oder gänzlich ohne entsprechende Wirkstoffe im Umlauf. Daher werden alle eingehenden Medikamente mit Hilfe eines mobilen Labors, dem Minilab, auf ihre Wirksamkeit hin überprüft.

Minilab

Alle eingehenden Medikamente werden mit Hilfe eines Minilabs auf ihre Wirksamkeit hin überprüft.

„Nun bewerben wir uns um eine Akkreditierung als Apotheke von der Europäischen Union“, sagt Direktor Richard Neci, der im kommenden Jahr zu einer Tagung zur Pharmazeutischen Entwicklungszusammenarbeit ins Difäm kommen wird. „Im Juli 2016 werden wir hierzu evaluiert“. Die offizielle Anerkennung ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal für die Einrichtung unserer kongolesischen Partner.


Schöne Dinge wachsen inmitten der Dornen. (Sprichwort aus dem Kongo)

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Willkommen auf unserem Difäm-Blog!

Wie sieht eine Gesundheitsstation im Urwald von Innen aus? Wer kocht für die Patienten in Bukavu, wenn es keine Krankenhausküche gibt? Und wer bildet neue Ärzte und Pflegekräfte aus, wenn im Land selbst Gesundheitspersonal fehlt? Erfahrt im Difäm-Blog mehr über unsere Arbeit und das Leben in unseren Schwerpunktländern, wie der Demokratischen Republik Kongo, Liberia, Malawi oder dem Tschad. Kommt mit auf unsere Reisen.

Gemeinsam mit unseren lokalen Partnern und Partnerorganisationen versuchen wir die Gesundheitsversorgung vor Ort nachhaltig zu verbessern. Unsere Referentinnen und Referenten beraten, begleiten und unterstützen die Projektpartner bei der Planung und Durchführung der Gesundheitsprojekte.Unser gemeinsames Ziel ist es, vor allem benachteiligten Menschen in vernachlässigten Regionen und Ländern einen Zugang zur Gesundheitsversorgung zu ermöglichen.

Für einen engen Austausch mit unseren Partnern reisen unsere Referentinnen und Referenten regelmäßig in die Projekte. Hier berichten sie direkt aus den Ländern.

Viel Spaß beim Lesen!

Euer Difäm-Team

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