Beiträge mit dem Schlagwort: Kongo

Gesundheitsversorgung in einer Krisenregion

Von oben sieht die Provinzhauptstadt aus wie eine Hand mit fünf Fingern. Die Finger sind Landzungen, die sich in den Kivu-See strecken.

Von oben sieht die Provinzhauptstadt aus wie eine Hand mit fünf Fingern. Die Finger sind Landzungen, die sich in den Kivu-See strecken.

Montag, 10. August 2015 – Bukavu ist eine quirlige, bunte und laute Stadt. Überall sind Menschen unterwegs – zu Fuß, auf Rollern oder im Auto. Vor großen Werbeplakaten und bunten Hausfassaden sind kleine Stände und vereinzelte Märkte aufgebaut, auf denen sich unzählige Menschen tummeln. Offiziell leben hier rund 750.000 Menschen. Inoffiziell wird die Einwohnerzahl auf 1 Million geschätzt. Auch wirkt die Stadt friedlich. Nur die UN-Fahrzeuge und die kongolesischen Militärs, die ab und an ihre Laufrunden durch die Stadt drehen, erinnern an eine gewisse Instabilität und Unsicherheit in der Region. Plünderung, Rebellenarmee, systematische Vergewaltigungen und Kindersoldaten scheinen hier im alltäglichen Trubel der Stadt wie Begriffe aus einer anderen Welt.

Hausfassade

Große Werbeplakate, bunte Hausfassaden und Blumen zieren das Stadtbild von Bukavu.

(Mehr über die geschichtlichen und aktuellen Hintergründe der Konflikte im Ost-Kongo erfahrt Ihr im Artikel des Journalisten Dominik Johnson in der aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift ‚Gesundheit in der Einen Welt‘)


Medizinische Arbeit der Kirchen

Nach einem offiziellen Besuch beim Vizepräsidenten der Dachorganisation evangelischer Kirchen (ECC) sind wir heute zu einer Besprechung im Büro unserer Partner Dr. Nicolas Mihuhi und Bujiriri Chokola eingeladen. Von ihrem Büro in Bukavu aus koordinieren und leiten sie die kirchlichen Gesundheitsdienste und medizinische Arbeit der Mitgliedskirchen der ECC in der Region Süd Kivu. Nach wie vor wird die Gesundheitsversorgung im Ost-Kongo bis zu 70 Prozent von kirchlichen Trägern wahrgenommen. Daher ist die medizinische Arbeit der ECC für die Basisversorgung der über 4.6 Millionen Menschen in der Region eine wichtige Ergänzung zu staatlichen Gesundheitsstrukturen.

DOM

Der Leiter des Koordinationsbüros, Dr. Mihuhi, sein Mitarbeiter Bujiriri sowie der Statistiker des Koordinationsbüros geben uns bei dem Treffen einen Einblick in ihre derzeitige Arbeit.

Auf der Grundlage einer Datenerhebung und Situationsanalyse nimmt das Koordinationsbüro (Département des Œuvres Médicales – DOM) Supervisionen in den Gesundheitseinrichtungen wahr: Was gibt es an Personal, haben die Mitarbeitenden die notwendige Ausbildung, welche Tätigkeiten üben sie aus, welchen Zustand haben die Gebäude, wo stehen wir in Bezug auf die Ausstattung der Einrichtung – und wo gibt es Verbesserungsbedarf? Das Koordinationsteam berät und unterstützt die jeweiligen Einrichtungen bei der Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen.  Daneben ist das Team für den Wiederaufbau zerstörter Gebäude, die Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals und die Versorgung mit essentiellen Medikamenten und Verbrauchsmaterialien verantwortlich. Immer noch gibt es Zeiten, in denen bestimmte Medikamente nicht vorhanden sind. Auch die Finanzierung der laufenden medizinischen Versorgung ist ein wichtiges Thema.


Pilotprojekt zur Qualitätssicherung

Nun soll in einigen Einrichtungen ein Pilotprojekt zur Qualitätssicherung und Konfliktmanagement eingeführt werden. „Hierfür dokumentieren wir die Abläufe in einem Krankenhaus vom Empfang eines Patienten bis zu seiner Entlassung, von der OP-Vorbereitung über die Durchführung der Visite bis hin zur Bestellung von Medikamenten“, erklärt eine deutsche Mitarbeiterin des Büros. Anschließend sollen Standards für die Arbeitsabläufe eingeführt werden. Konflikte und Ineffizienzen entstehen bereits, wenn der behandelnde Arzt vor seiner Untersuchung erstmal das Blutdruckmessgerät suchen muss oder sich die Mediziner über das richtige Medikament einigen müssen. Da es meist keine Krankenversicherung und selten staatliche Zuschüsse gibt, müssen sich viele Krankenhäuser über die Patientengebühren selbst finanzieren. Doch wenn das Medikament oder die Behandlung zu teuer ist, kommen die Patienten nicht ins Krankenhaus. So ist jede Behandlung eine Gradwanderung und die Mediziner müssen oft selbst entscheiden, was sie anbieten und in Rechnung stellen.

Das Difäm unterstützt die medizinische Koordination der ECC seit mehr als zehn Jahren mit Workshops, Beratung und finanziellen Hilfen. Die Difäm-Arzneimittelhilfe hat den Gesundheitseinrichtungen in den vergangenen Jahren immer wieder Medikamente und HIV-Tests zur Verfügung gestellt. Seit 2012 wird das Projekt durch Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst finanziell unterstützt.

Ein weiteres Thema, das zur Sprache kommt, ist die kostenfreie medizinische Versorgung von Flüchtlingen aus dem Nachbarstaat Burundi. Einige Gesundheitseinrichtungen in der Region nahe der Grenze haben durch die Bereitstellung von Behandlung und Medikamenten Schulden gemacht, die sie nun nicht zurückzahlen können. Noch ist nicht geklärt, wer die Kosten dafür tragen wird.

Apotheke

Das riesige Medikamentenlager wurde erst im Juli eingeweiht.

Medikamentenversorgung aus dem Großlager

Später besuchen wir das neue Medikamentenlager Dépôt Central Médico Pharmaceutice (DCMP) von Richard Neci. Das Gebäude wurde mit Eigenmitteln, unter anderem durch den Verkauf der Medikamente, bezahlt. Die Arzneimittel bezieht der Pharmazeut unter anderem aus Kenia und verkauft sie weiter an lokale Einrichtungen. In vielen Ländern Afrikas sind Arzneimittel minderer Qualität oder gänzlich ohne entsprechende Wirkstoffe im Umlauf. Daher werden alle eingehenden Medikamente mit Hilfe eines mobilen Labors, dem Minilab, auf ihre Wirksamkeit hin überprüft.

Minilab

Alle eingehenden Medikamente werden mit Hilfe eines Minilabs auf ihre Wirksamkeit hin überprüft.

„Nun bewerben wir uns um eine Akkreditierung als Apotheke von der Europäischen Union“, sagt Direktor Richard Neci, der im kommenden Jahr zu einer Tagung zur Pharmazeutischen Entwicklungszusammenarbeit ins Difäm kommen wird. „Im Juli 2016 werden wir hierzu evaluiert“. Die offizielle Anerkennung ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal für die Einrichtung unserer kongolesischen Partner.


Schöne Dinge wachsen inmitten der Dornen. (Sprichwort aus dem Kongo)

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Reiseapotheke für alle Fälle

Ich packe meinen Koffer und nehme mit… Die Hälfte meines Gepäcks füllen sonderbarerweise diverse Medikamente. Aber viele Gesundheitseinrichtungen im Ost-Kongo sind zerstört und noch nicht wieder aufgebaut oder schlecht ausgestattet. Häufig fehlen notwendige Medikamente und Verbrauchsmaterialien. Daher habe ich meine Reiseapotheke mit Tabletten gegen Durchfall, Erbrechen und Übelkeit, Malariaprophylaxe, Schmerzmitteln und einem riesen Vorrat an Elektrolytlösungen vorsorglich bei unserer Difäm-Arzneimittelhilfe bestellt. Für ausreisende Fachkräfte sind diese standardisierten Haus- und Reiseapotheken eine gute Ausrüstung und eine rasche Hilfe bei gesundheitlichen Notlagen. Hoffen wir dennoch, dass sich das Krankheitsrisiko während unserer zehn Reisetage minimal hält.

Medizinische Instrumente

Zum Glück passen noch einige Mitbringsel und Gastgeschenke neben die Medikamente, wie französischsprachige Lektüre, Kalender und Malariamittel für einen befreundeten deutschen Arzt, der im Ost-Kongo lebt und arbeitet.

Bleibt jetzt nur noch die Frage, ob Gabi Hettler und ich die 8,4 kg schweren chirurgischen Instrumente mit durch den Zoll bekommen. Sie wurden uns übergeben für den weiteren Einsatz im Panzi-Krankenhaus, in dem der Gynäkologe Denis Mukwege Opfer sexueller Gewalt medizinisch versorgt.

Ich reise das erste Mal in die Demokratische Republik Kongo. Meine Aufgabe ist es, die Arbeit der Difäm-Gesundheitsreferenten und die Projekte fotografisch, filmisch und textlich zu dokumentieren. Für unsere Handy-Aktion werde ich versuchen, Interviews mit Jugendlichen zu führen und sie zu ihren Handy-Gewohnheiten befragen. Ich bin gespannt auf die Menschen, die fremde Kultur und das Land. Und ich bin froh und dankbar, meine Kollegin Gabi Hettler dabei an meiner Seite zu haben.

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Vorbereitungen für die Kongo-Reise

Die Demokratische Republik Kongo liegt mitten im Herzen Afrikas. Es grenzt unter anderem an die Zentralafrikanische Republik, den Südsudan, Ruanda, Burundi Angola und die Republik Kongo. Fast ganz Europa passt in das riesige Land, das zu großen Teilen von Regenwald bedeckt ist. Der Kongo wird häufig als reiches und zugleich armes Land bezeichnet: Vor allem der Osten des Landes ist reich an Bodenschätzen, wie Gold, Diamanten und Coltan. Dennoch zählt der Kongo, laut des Human Development Index der Vereinten Nationen, zu den ärmsten Ländern der Welt – bedingt durch jahrzehntelange Ausbeutung, Korruption und jahrelange Kriege.

Gabi Hettler (Foto l.), Gesundheitsreferentin des Difäm, und ich, Anna Buck (Foto r.), Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sind in den letzten Vorbereitungen für unsere Reise in den Kongo. Das einzige, was noch fehlt, ist das Visum. Aufgrund einiger Änderungen im Antragsverfahren durch die kongolesische Botschaft dauert die Bereitstellung wohl noch etwas länger. Aber es verbleiben ja noch zwei Tage zum Abflug.

Am Freitag werden wir dann hoffentlich mit dem Flieger nach Ruanda und von dort aus in die bergige Provinz Süd-Kivu im Ost-Kongo reisen. In der Grenzstadt Bukavu und in der näheren Umgebung rund um den Kivu-See sind wir unterwegs, um uns einen Überblick über den Fortschritt einiger Gesundheitsprojekte des Difäm und seiner Projektpartner vor Ort zu verschaffen. Dabei steht auch der Besuch bei dem Alternativen Nobelpreisträger Dr. Denis Mukwege im Panzi-Krankenhaus auf dem Programm.

Gabi und Anna

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