Beiträge mit dem Schlagwort: Ruanda

Mit dem Taxi quer durch Ruanda

An unserem letzten Tag fahren wir über die Grenze zum Flughafen in Kamembe, Ruanda. Erneut werden wir mit Fiebermessen auf Ebola untersucht, bevor wir nach Ruanda einreisen dürfen. Diesmal wird auch unser Gepäck kontrolliert: Auf Waffenbesitz. Aber außer einem kleinen Stein aus dem Garten des Gästehauses zur Erinnerung an Bukavu haben wir nichts Auffälliges dabei.

Als wir am Flughafen ankommen, ist der Parkplatz seltsam leer. Von einem Wächter erfahren wir: Der Flieger sei schon vor 3 Stunden abgeflogen… Also, was nun? Bus? Dauert zu lange. Taxi? Von unserem Partner Dr. Mihuhi werden wir in Windeseile in die Innenstadt von Kamembe gebracht, wo er mit den Taxifahrern den Fahrpreis nach Kigali aushandelt.

Urwald

Der Nyungwe Forest National Park

Affe

Ein Gebirgsfallhammer-Affe im Urwald auf unserem Weg nach Kigali, Ruanda

Wenig später sitzen wir in einem Taxi – ohne Sicherheitsgurt und Kopfstütze. Aber mit einem netten Fahrer, der sich erst einmal ein Taxameter organisiert, wegen der Kontrollen in Kigali. Also fahren wir los, mit 30 Stundenkilometer bergauf auf einer frisch geteerten Landstraße quer durch den hügeligen Regenwald im Nyungwe Forest National Park: 300 Kilometer in geplanten 6 Stunden. Der Taxifahrer vergewissert uns, dass wir pünktlich ankommen werden. Allerdings wusste er da noch nichts von der Geschwindigkeitskontrolle der Polizei, in die wir nach einigen Kilometern kommen. Da wir 8 Stundenkilometer zu schnell waren, werden wir angehalten. Da unser Fahrer keinen passenden 10 Dollarschein hat und die Polizisten unsere übrigen 20 Dollarscheine nicht wechseln können, dürfen wir nach 30 Minuten Diskussion weiterfahren.

Wir lassen den dichten Urwald hinter uns und fahren weiter durch Dörfer und kleinere Städte, vorbei an herrlich riechenden Eukalyptus-Wäldchen.

Um 9 Uhr abends erreichen wir den Flughafen in Kigali. Der Flieger nach Stuttgart über Kampala, Uganda, und Istanbul geht erst in wenigen Stunden. So haben wir noch Zeit, um die Woche nochmal zu reflektieren, uns zu sammeln, bevor es endgültig nach Hause geht. Nach 26 Stunden Reise kommen wir wohlbehalten in Tübingen wieder an.

An dieser Stelle möchten Gabi Hettler und ich uns herzlich bei unseren Leserinnen und Lesern für das Interesse und die vielen positiven Rückmeldungen auf unseren Reise-Blog bedanken. Wir hoffen, es hat Ihnen und Euch Spaß gemacht uns auf der Reise in den Ost-Kongo zu begleiten und wir konnten einen guten Einblick in einige der Gesundheitsprojekte des Difäm vermitteln.

Ihnen und Euch alles Gute und bis zum nächsten Mal!

Blumen

Blumen im Osten der Demokratischen Republik Kongo

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Von Erdbeben und Plastiktütenverbot

Freitag, 7. August 2015 – Nach neun Stunden Flug – mit kurzer Unterbrechung in Istanbul – sind wir für einen nächtlichen Zwischenstopp in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, gelandet. Es ist fast 2 Uhr nachts. Müde und erschöpft freuen wir uns auf unser Hotelzimmer in der Innenstadt. Bei der Gepäckausgabestelle am Flughafen müssen jedoch wir und acht weitere Passagiere aus Ruanda, Amerika, England und Deutschland feststellen, dass einige der Gepäckstücke, darunter eine unserer Boxen mit den medizinischen Instrumenten, nicht mitgekommen sind. Wem das schon mal passiert ist, weiß wie wir uns in der Situation fühlen. Es ist wie der Moment, in dem man feststellt, dass sein Fahrrad weg ist, obwohl es doch eigentlich dort stehen müsste. Oder das eigene Auto abgeschleppt ist, als man vom Einkaufen zurückkommt. Nach einigen Telefonaten bestätigt der bemühte Herr im Lost&Found-Büro unseren Verdacht: Sie liegen wohlbehalten noch immer in Istanbul. Als wir dann von ihm erfahren, dass das Gepäck nachgeschickt wird, fahren wir ins Hotel in Kigali.

Was für eine saubere Stadt! Zu meinem ersten Eindruck trägt sicherlich auch das Plastiktütenverbot im Land bei. Bereits am Flughafen macht ein eindeutiges Hinweisschild Einreisende darauf aufmerksam. Bei der Ankunft durchsuchen Zollbeamte das Gepäck nach Plastiktüten. Die gefundenen Tüten – darunter auch die in Deutschland vorgeschriebenen Tüten für die Flüssigkeitenmitnahme im Handgepäck – werden normalerweise noch am Flughafen entsorgt. Wir hatten unsere Tüten allerdings vorsorglich bereits auf dem Flughafen in Istanbul entsorgt.

RuandaStatt Tüten aus Plastik nutzen die Menschen in Ruanda einfache Papiertüten. Seit der Einführung eines neuen Umweltgesetzs im Jahr 2005 ist sogar Mülltrennung in Ruanda gesetzlich vorgeschrieben. Seitdem gilt das ostafrikanische Land – nicht nur – anderen afrikanischen Ländern als Vorbild im Umweltschutz – und das auch in Sachen Energieversorgung.

Die Entwicklung des Landes beeindruckt mich. Kaum zu glauben, dass hier vor erst 20 Jahren rund 800.000 Menschen ihr Leben lassen mussten. Zwar mögen der Krieg, der Völkermord sowie die Unsicherheiten in der Region die heutige Politik des Landes prägen. Aber als Reisender spürt man diese Spuren der Vergangenheit kaum mehr.


Erschütternde Nachricht
Samstag, 8. August 2015 –
Beim Frühstück am nächsten Morgen erfahren wir die erschreckende Nachricht: Ein Erdbeben der Stärke 5,8 und zwei Nachbeben haben Regionen im Ost-Kongo, in Burundi und Ruanda erschüttert. Erst später erfahren wir, dass direkt in Bukavu, knapp 100 Km vom Epizentrum im Kivu-See entfernt, nur das Beben gespürt, aber niemand verletzt wurde. Die Ruandische Zeitung schreibt von mehreren zerstörten Häusern und Verletzten in allen drei Ländern.

Mit einem etwas mulmigem Gefühl machen wir uns auf für die letzte Etappe unserer Anreise nach Bukavu: Mit einem Inlandsflug von Kigali nach Kamembe. Dort sollen wir von unserem Partner Dr. Nicolas Mihuhi abgeholt und über die Grenze in den Ost-Kongo gebracht werden.

Ich wünsche Dir, dass du dich immer wunderst. An dem Tag, an du aufhörst, dich zu wundern – hörst du auf zu denken, vor allem aber – zu fühlen. Ryszard Kapuscinkski

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