Beiträge mit dem Schlagwort: Vergewaltigung

Es gibt nichts, was es nicht gibt

Weg zum Panzi

Auf dem Weg zum Panzi-Krankenhaus

Samstag, 15. August 2015 – Im Radio hören wir von Schüssen und Tumulten im Panzi-Viertel. Laut dem Bericht hatten Jugendliche Marihuana geraucht und wurden von einem Polizisten erwischt, den sie anschließend attackierten. Der verletzte Mann wurde ins Krankenhaus gebracht, in das die Jugendlichen später eindrangen und den behandelnden Arzt angriffen. 

Tatsächlich sind solche Geschichten nicht selten: Verschleppte Angestellte, Übergriffe, Gebrauch von Waffen… Nachmittags erkunden wir zu Fuß uns noch unbekannte Straßen – nur wenige Hausecken von unserem Viertel entfernt. Wir werden begleitet von einem norwegischen Missionar, einer Studentin aus Norwegen, die für ihre Masterarbeit Befragungen mit Gemeinden zur Gewalt gegen Frauen durchführt, und einem 7-jährigen Jungen, dessen mexikanische Mutter und kongolesischer Vater im Panzi-Krankenhaus arbeiten. Vor uns geraten plötzlich mehere Männer in Streit. Die aufgeladene Stimmung drängt uns zum schnellen Weitergehen.

Viertel

Schwer zu durchschauen: Die Demokratische Republik Kongo

Das dicht bebaute und chaotisch wirkende Viertel ist ein Sammelsurium aus kleinen Marktständen, Verkaufsbuden, Reparaturwerkstätten, kleinen kirchlichen Gebäuden und Wohnhäusern. Dicht gedrängt laufen wir im Staub der uns überholenden Taxis, Minibussen und Motorräder weiter.

Von überall hören wir „Mzungu, mzungu“ (Weißer, Weißer) und neugierige Blicke verfolgen uns. Schüchtern lächelnde Kinder und Frauen, die uns hinterherlaufen und auf unser „Jambo“ lächelnd oder herzlich lachend und winkend antworten.

Vieles ist und bleibt undurchschaubar. Nicht nur die Stadt Bukavu hat viele Gesichter. Das ganze Land ist vielfältig und vielschichtig. Manche sagen, es gibt nichts, was es hier nicht gibt. Auf den Märkten kann man Dinge erwerben, deren Besitz in anderen Ländern unter Strafe steht. Es gibt rohes und grausames Verhalten, aber auch barmherzige und bemühte Menschen und Momente großer Herzlichkeit. Viele Menschen müssen improvisieren, um zu überleben. Es gibt komplizierte Strukturen und Regeln in der Familie, in der Gemeinde und der Gesellschaft, die wir nicht verstehen und nachvollziehen können. 

Der Kongo zählt zu einem der gefährlichsten Land für Frauen und Mädchen weltweit. Aber es ist auch ein faszinierendes, wunderschönes Land mit bewundernswerten und engagierten Menschen, die sich für eine gute und gerechte Gesundheitsversorgung und gegen Gewalt einsetzen. Diese Frauen und Männer möchten wir weiterhin so gut es geht in ihrer Arbeit unterstützen.

Arzt Untersuchung

Ein Arzt in Kakwende kümmert sich rührend um seine Patienten

Kategorien: Kongo Projektreise | Schlagwörter: , , , | Ein Kommentar

Unwirkliche Wirklichkeit

Samstag, 15. August 2015 – Bei unseren Gesprächen erfahren wir eine gute Neuigkeit: Laut der offiziellen Statistik und den Aufzeichnungen des medizinischen Koordiationsbüros der evangelischen Kirchen sowie den Beobachtungen der Ärzte, mit denen wir sprechen, gehen die Fälle von Vergewaltigungen und sexuellen Misshandlungen an Frauen zurück. Wobei es weiterhin eine Dunkelziffer gibt, die wir nie erfahren werden.

Gründe für diese Entwicklung sind zum einen die gesetzliche Nachverfolgung der Täter. Mittlerweile sitzen einige der Vergewaltiger in den Gefängnissen des Landes. Zum anderen gibt es von der Munusco und der kongolesischen Regierung seit einiger Zeit groß angelegte Demobilisierungskampagnen und Integrationsprogramme für die Milizen.

Die Freude über die positive Nachricht währt aber nicht lange. Während die Gewalt gegen Frauen und die Anzahl der Milizen abzunehmen scheinen, gibt es aufgrund von Irrglauben an mehr Stärke und Kraft vermehrt Vergewaltigungen von Säuglingen und Kindern unter fünf Jahren.

Kategorien: Kongo Projektreise | Schlagwörter: , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.